Experten-Chat digitaler Nachlass

Experten-Chat digitaler Nachlass

  • 2/9/2017 1:43:32 PM   Christoph Schäfer
    Herzlich willkommen zu unserem Experten-Chat mit IT-Fachanwalt Christian Welkenbach! Wir freuen uns auf einen regen Austausch zum Thema "digitales Erbe"
  • 2/9/2017 1:47:53 PM   Christoph Schäfer
    Wer sich nochmal ins Thema einlesen will, dem sei mein Artikel "Was passiert mit dem Internet-Erbe eines Verstorbenen" empfohlen. Auf ihm wollen wir in dieser Diskussion aufbauen, denn natürlich kann auch ein langer Text nicht alle Fragen beantworten. Dafür haben wir jetzt auch Experte Welkenbach hier.

    Digitaler Nachlass: Was passiert mit dem Internet-Erbe von Verstorbenen?

    FAZ.NETNicht nur ums Häuschen, sondern auch um den digitalen Nachlass sollten sich die Hinterbliebenen kümmern. Alles andere kann teuer werden.
  • 2/9/2017 2:02:05 PM   Christoph Schäfer
    Die erste Frage kommt von Thomas Bastian. Er hat uns über Whatsapp diese Fragen zukommen lassen: „Wie kann ich vor meinen Tod alles regeln, damit es später keine Probleme gibt? Wenn ich einen Dienstleister beauftragt habe, wie erfährt er, das ich gestorben bin? Muss es ein Notar sein?“
  • 2/9/2017 2:03:51 PM   Christian Welkenbach
    Inzwischen gibt es hierfür spezielle Dienstleister, die sich auf die Abwicklung des digitalen Erbfalles spezialisiert haben. Dies muss nicht zwingend ein Notar sein. Die Bestattungsunternehmen können  hierzu weitere Auskünfte geben. Die Notare sind mittlerweile aber auch in diesem Bereich sensibilisiert, so dass Sie sich dort auch informieren können.
  • 2/9/2017 2:04:59 PM   Christoph Schäfer
    Daniel Beer hat auf Facebook geschrieben: „Yahoo wollte mir keinen Zugang zum E-Mail-Konto meines Vaters geben. Ich hatte keinen Zugriff auf seine Kontaktdaten, um seine Kontakte zu informieren oder andere wichtige Informationen abzurufen.“
     
    Das bringt uns zu der Frage: Was können Betroffene tun, wenn Ihnen der Zugriff zum digitalen Konto verwehrt wird?
  • 2/9/2017 2:08:13 PM   Christian Welkenbach
    Am besten dokumentieren Sie mit einer Sterbeurkunde und einem Erbschein, dass Sie berechtigt sind, die Angelegenheiten des Erblassers zu regeln beziehungsweise  dessen Rechtsnachfolge angetreten haben. Dann müssten die Betreiber der E-Mail-Dienste den Zugang ermöglichen. Oft aber berufen sich die Anbieter der Dienste auf ihre Nutzungsbedingungen.

    Falls Sie also keinen Erfolg haben, sollten Sie sich gegebenenfalls anwaltlich vertreten lassen und die jeweiligen Diensteanbieter anwaltlich anschreiben lassen. Zumal Ihr Anliegen sehr berechtigt ist, weil E-Mails wichtige Informationen enthalten können.
  • 2/9/2017 2:09:56 PM   Christoph Schäfer
    Elkepazos fragt über Instagram: "Was passiert mit Konten von Verstorbenen, wenn sich keiner drum kümmert?"
     
  • 2/9/2017 2:11:21 PM   Christian Welkenbach
    Wenn der Anbieter nichts vom Tod einer Person erfährt, passiert zunächst einmal gar nichts. Die Erben sollten sich aber schnellstmöglich einen Überblick über die laufenden Verträge und Accounts des Verstorbenen verschaffen, um diese zu kündigen und weitere Kosten zu vermeiden, aber auch damit Anfragen und Kontaktaufnahmen Dritter nicht ins Leere laufen.
     
  • 2/9/2017 2:12:48 PM   Christoph Schäfer
    Udo Frohnapfel schließt auf FAZ.NET eine Frage an: „Die Anbieter von kostenlosen E-Mail löschen einfach das Konto bei Inaktivität nach 6 Monaten. Das könnten auch andere Anbieter so ähnlich nach 12 Monaten machen.“
    Wie schätzen Sie das ein? Wäre das eine praktikable Lösung?
  • 2/9/2017 2:15:31 PM   Christian Welkenbach
    Eine automatische Löschung bei Inaktivität kann auch nachteilig sein, wenn die Inaktivität nämlich andere Gründe als den Tod des Kunden hat, zum Beispiel ein längerer Auslandsaufenthalt. In diesem Fall wären die Informationen und E-Mails dann nicht mehr verfügbar.
  • 2/9/2017 2:18:30 PM   Christoph Schäfer
    An der Stelle würde ich gerne eine Frage stellen, die mir ein Redaktionskollege mit auf den Weg gegeben hat: Angenommen, meine Frau hatte einen Jahresvertrag bei Xing für 120 Euro. Nun ist sie einen Monat nach Vertragsabschluss gestorben. Bekomme ich dann Geld zurück?
  • 2/9/2017 2:21:06 PM   Christian Welkenbach
    Grundsätzlich tritt der Erbe in bestehende Verträge des Erblasser ein. Wenn das in den allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) des Anbieters oder im Gesetz nicht gesondert geregelt ist, gibt es auch kein sofortiges Sonderkündigungsrecht des Erben, so dass der Vertrag erst einmal weiter läuft.

    Bei Wohnungsmietverträgen beispielsweise gibt es hingegen ein vorzeitiges Sonderkündigungsrecht. Man sollte sich in jedem Fall an den Anbieter wenden und nach den Möglichkeiten einer sofortigen Vertragsbeendigung fragen, denn vielleicht zeigt er sich kulant.
  • 2/9/2017 2:21:28 PM   Stefanie Michels
    Hier kommt eine Frage aus dem Forum: 
    was kann ich tun, wenn ich nicht möchte, dass nach meinem Ableben meine Erben auf meine Konten zugreifen können?

    -M.K.
  • 2/9/2017 2:25:54 PM   Christian Welkenbach
    Wenn Sie Ihren Tod absehen können, beispielsweise wegen einer schweren unheilbaren Erkrankung, können Sie unliebsame Informationen selbst vorzeitig löschen.

    Für den Fall, dass Sie beispielsweise Seitensprungportale nutzen, von denen Ihre Erben nichts erfahren sollen, können Sie sich an einen Bestatter wenden und mit diesem einen Vorsorgevertrag schließen, der diese Fälle regelt und die Accounts diskret schließt.
  • 2/9/2017 2:27:07 PM   Christian Welkenbach
    Oft wird auch gefragt, was mit digitalen Inhalten wie Musik, Software oder eBooks passiert – ob die Erben diese weiternutzen können.
  • 2/9/2017 2:29:13 PM   Christian Welkenbach
    Ich antworte dann: Grundsätzlich fallen auch diese Wertgegenstände in den Nachlass, auch wenn die Nutzungsbedingungen der Anbieter wie etwa iTunes oder Amazon Kindle etwas anderes vorsehen. Auch wenn dies gerichtlich noch nicht endgültig geklärt ist, dürften solche Klauseln in den Nutzungsbedingungen zumindest nach deutschem Recht unwirksam sein.
  • 2/9/2017 2:30:45 PM   Christoph Schäfer
    Thomas Bastian fragt nach: "Was kann man selbst tun, wenn man keinen Dienstleister bezahlen möchte?"
  • 2/9/2017 2:32:12 PM   Christian Welkenbach
    Man kann auch eine Vertrauensperson (einen guten Freund oder einen Familienangehörigen etwa) beauftragen. Allerdings sollten Sie Ihre Wünsche genau und schriftlich formulieren.
     
  • 2/9/2017 2:33:39 PM   Christoph Schäfer
    Jonas Busch kommentiert auf Facebook: „Ich hätte immer gesagt, dass ein digitales Erbe nichts wert ist. Außer sie heißen Zuckerberg.“

    Das nehmen wir mal zum Anlass, zu fragen: Kann man den Geldwert des digitalen Nachlasses messen? Wird das gemacht und ändert das etwas?
  • 2/9/2017 2:35:30 PM   Christian Welkenbach
    Selbstverständlich können auch digitale Inhalte einen erheblichen Vermögenswert darstellen, zum Beispiel eine iTunes-Musikbibliothek. Oder auch Gegenstände in Online-Games werden de facto schon jetzt veräußert.
  • 2/9/2017 2:36:32 PM   Christian Welkenbach
    Letztlich kann es auch für die Bemessung der Erbschaftssteuer relevant sein, welche Vermögenswerte sich hinter digitalen Inhalten verbergen.
  • 2/9/2017 2:39:28 PM   Christian Welkenbach
    Und noch etwas: Immaterielles und geistiges Eigentum ist grundsätzlich auch vererblich. Das bedeutet, dass die Erben zum Beispiel aus urheberrechtlichen Werken oder anderen gewerblichen Schutzrechten (Marken oder Patente) Ansprüche ableiten können. Manchmal sind sogar die Erben aktiver als der eigentliche Urheber, wenn es um Zahlungsansprüche wegen Verletzungen dieser Schutzrechte geht.
  • 2/9/2017 2:39:53 PM   Stefanie Michels
    Die nächste Frage kommt von Nico K.
    Besteht die einfachste Lösung im Todesfall eines Angehörigen nicht darin, sämtliche Zugangsdaten im Testament oder einem anderweitigen Dokument für den Bevollmächtigten bzw. Erben festzuhalten?

    -Nico K.
  • 2/9/2017 2:41:15 PM   Christian Welkenbach
    Wenn die Passwörter nicht geändert werden, ist das natürlich eine Möglichkeit. Allerdings sollten Sie aus Sicherheitsgründen Ihre Passwörter ja regelmäßig ändern, da Hacker sonst leichtes Spiel haben.
  • 2/9/2017 2:44:41 PM   Christoph Schäfer
    Wir kommen langsam zum Ende unserer Diskussion. Wenn Sie sich noch beteiligen wollen, ist jetzt die letzte Gelegenheit.
  • 2/9/2017 2:46:30 PM   Christoph Schäfer
    Eine persönliche Frage von mir: Mein wichtigster Account ist mein Facebook-Profil. Sollte ich es nach meinem Tod in den Gedenkstatus setzen oder vollständig löschen lassen?
  • 2/9/2017 2:48:14 PM   Christian Welkenbach
    Ich persönlich finde den Gedenkzustand gar nicht schlecht. Denn auf diese Weise können sich die Hinterbliebenen auf einer Seite sammeln und Erinnerungen austauschen. Die Frage hängt aber letztlich davon ab, für wie wichtig Sie die Informationen und Inhalte, die im Profil gespeichert sind, erachten.
  • 2/9/2017 2:49:28 PM   Stefanie Michels
    Kurz vor Schluss noch diese Frage:
    was tun, wenn alle verwandten älter als man selbst sind und kein (außer vielleicht einem recht fernen) erbe existiert, dem ein erbschein ausgehändigt werden könnte und so ein nachweis fehlt - wie können freunde legitimiert werden?

    -ed
  • 2/9/2017 2:51:07 PM   Christian Welkenbach
    Es besteht die Möglichkeit, in einem notariellen Testament eine bestimmte Person als Bevollmächtigten zu bestimmen. Das kann so weit gehen, dass diese Person eine Generalvollmacht für sämtliche Rechtsgeschäfte zugesprochen bekommt.
  • 2/9/2017 2:53:11 PM   Christoph Schäfer
    Die Frage von Joe Mann taucht auf, ob das Durchsehen von E-Mails oder Social-Media-Accounts nicht gegen die Pietät verstößt!?
  • 2/9/2017 2:54:49 PM   Christian Welkenbach
    In rein rechtlicher Hinsicht ist der Erbe befugt, den Schriftverkehr des Verstorbenen zu lesen. Das gilt ja auch für herumliegende Briefe oder Postkarten.

    Unabhängig davon kann ich aber das Gefühl nachvollziehen, dass man sich dabei unwohl fühlt.
  • 2/9/2017 2:58:29 PM   Christoph Schäfer
    Liebe Teilnehmer, ganz herzlichen Dank für Ihre Fragen und die angenehme Diskussion. Wenn Sie weitergehende Fragen haben, finden Sie die Kontaktdaten von IT-Fachanwalt Christian Welkenbach unter diesem Chat.

    Bleiben Sie gesund!!
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