Putsch in der Türkei

Putsch in der Türkei

Die Lage im Überblick
  • Teile des Militärs haben in der Türkei einen Putschversuch gegen Staatspräsident Erdogan unternommen.
  • Nach heftigen Kämpfen, Bombenexplosionen und chaotischen Stunden erklärte die Regierung am Samstagmittag, sie habe die Situation wieder vollständig unter Kontrolle. 
  • Staatspräsident Erdogan kündigte Vergeltung und eine "Säuberung" des Militärs an. Die Regierung erwägt die Einführung der Todesstrafe, damit sich der Putsch nicht wiederhole. 
  • Erdogan macht seinen Gegner Gülen für den Putsch verantwortlich. Dieser bestreitet das jedoch.
  • Nach Regierungsangaben wurden bei dem Putschversuch 265 Menschen getötet, darunter 161 regierungstreue Sicherheitskräfte und Zivilisten sowie 104 Putschisten.  Mehr als 2800 Angehörige des Militärs wurden offenbar festgenommen.
  • 7/16/2016 8:05:02 PM   Catiana Krapp
    Eine Gruppe von dreizehn türkischen Militärs ist am späten Samstagabend an Bord eines türkischen Militärhubschraubers im Flughafen der griechischen Hafenstadt Alexandroupolis eingetroffen. Sie sollen den türkischen Hubschrauber vom Typ „Black Hawk“ abholen, an Bord dessen sich acht türkische Militärs am Samstag nach Griechenland abgesetzt und dort politisches Asyl beantragt hatten. Entsprechende Videoaufnahmen zeigte der griechische Nachrichtensender Skai am Samstagabend.

    Ob und wann die acht angeblichen Putschisten in die Türkei ausgeliefert werden sollen, ist noch unklar. Griechische Juristen rechnen mit einem Asylverfahren, das bis zu 20 Tage dauern könnte.
  • 7/16/2016 8:28:22 PM   Catiana Krapp
    Die Autorin Alev Scott twittert verwundert darüber, was sie in Istanbul sieht: "Eine Menge von Regierungsanhängern sitzt auf den Stufen zum Gezi-Park, drei Jahre nachdem er von Regierungskritikern besetzt wurde. Surreal."
  • 7/16/2016 8:38:53 PM   Catiana Krapp
    Über die Auslieferung des in den Vereinigten Staaten lebenden Erdogan-Erzfeindes Fethullah Gülen hat der türkische Außenminister nach eigenen Angaben nicht mit seinem amerikanischen Amtskollegen John Kerry gesprochen. "Das Thema Auslieferung ist nicht direkt zur Sprache gekommen." Er habe Kerry gegenüber aber deutlich gemacht, dass die Anhänger Gülens hinter dem Putschversuch stehen, sagte Cavusoglu im Reuters-Interview am Samstag.
  • 7/16/2016 8:53:48 PM   Catiana Krapp

    Feiernde Menschen fahren durch das Istanbuler Viertel Uskudar (Bild: AFP)

  • 7/16/2016 9:30:11 PM   Catiana Krapp
    Die griechische Regierung hat versprochen, so bald wie möglich auf die türkische Forderung zu reagieren, acht entflohene türkische Soldaten auszuliefern. Das berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg. Der griechische Premierminister Alexis Tsipras sagte demnach zu Erdogan, die Prüfung der Forderung würde schnell erfolgen. Er betonte aber auch, dass Griechenland internationales Recht befolgen und Menschenrechte respektieren werde.
  • 7/16/2016 10:25:10 PM   Mathias Peer
    Die amerikanische Luftfahrtbehörde FAA stoppt den Flugverkehr zwischen der Türkei und den Vereinigten Staaten. Als Reaktion auf den Putschversuch dürfen vorerst keine amerikanischen Flugzeuge in der Türkei landen. Auch Flüge aus der Türkei nach Amerika sind untersagt. Die Behörde teilte mit, die Lage in der Türkei zu beobachten und die Einschränkungen gegebenenfalls anzupassen.
  • 7/16/2016 11:11:31 PM   Mathias Peer
    Der amerikanische Außenminister John Kerry verwahrt sich energisch gegen angebliche Unterstellungen, die Vereinigten Staaten seien in den gescheiterten Putschversuch in der Türkei involviert. Ein Sprecher Kerrys erklärt, der Minister habe gegenüber seinem türkischen Amtskollegen Mevlut Cavosoglu deutlich gemacht, dass "öffentliche Andeutungen oder Behauptungen über jedwede Beteiligung der Vereinigten Staaten an dem gescheiterten Putschversuch völlig falsch und schädlich für unsere bilateralen Beziehungen sind".


  • 7/16/2016 11:23:00 PM   Mathias Peer
    Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier würdigt nach dem gescheiterten Militärputsch die starken demokratischen Prinzipien der Türkei und den Mut der tausenden Demonstranten. Er sei "beeindruckt von der geschlossenen Reaktion der im türkischen Parlament vertretenen Parteien, die sich am Freitagabend unverzüglich zu demokratischen Prinzipien bekannt haben", sagte Steinmeier der "Bild am Sonntag". Dieses Signal sei auch von den spontanen Versammlungen vieler Türken ausgegangen, "die den Panzern die Stirn geboten haben", fügte Steinmeier hinzu.
  • 7/17/2016 12:49:45 AM   Mathias Peer
    In mehreren Städten in der Türkei halten Zehntausende Menschen in der Nacht „Wachen für die Demokratie“ ab. Türkischen Medien berichten von Siegesfeiern nach dem gescheiterten Putschversuch in Städten vom Westen bis zum Südosten des Landes. Bilder zeigen jubelnde und fahnenschwenkende Menschenmassen etwa in der Hauptstadt Ankara. Auf dem Taksim-Platz in Istanbul versammelten sich am Abend etwa Tausend Anhänger des Staatspräsidenten Erdogan.


  • 7/17/2016 1:06:24 AM   Mathias Peer
    Der Grünen-Politiker Omnid Nouripour zeigt sich besorgt über die Äußerungen des türkischen Staatspräsidenten Erdogan zur Todesstrafe: „Wir reden alle über die Absetzungen im Militär, aber am meisten Angst macht mir, dass in der Türkei nun wieder Rufe nach der Todesstrafe laut wurden. Das ist beängstigend“, sagte Nouripour der „Huffington Post Deutschland“. Außerdem fordert er die Bundesregierung dazu auf, klare Worte gegenüber Erdogan zu finden. „Wir dürfen Erdogan nicht machen lassen, was er will. Wir müssen jetzt genauer hingucken und nicht alles unkommentiert lassen.“ 
  • 7/17/2016 1:35:42 AM   Mathias Peer
    Die Vereinigten Staaten warnen ihre Staatsbürger vor Reisen in die Türkei. "Angesichts des Putschversuchs empfehlen wir, Reisen in die Türkei zu überdenken", heißt es in einer Mitteilung des amerikanischen Außenministeriums.


  • 7/17/2016 3:21:23 AM   Klaus Bardenhagen

    Der deutsche EU-Kommissar Günter Oettinger warnt Erdogan, den gescheiterten Militärputsch zu nutzen, um die demokratischen Grundrechte in der Türkei weiter einzuschränken. „Ich erwarte, dass wir unsere Kooperation streng nach rechtsstaatlichen Prinzipien und gemäß unserer Werte fortsetzen“, sagte der CDU-Politiker der „Welt am Sonntag“.

    Der Putsch sei kein Grund, dem türkischen Staat mehr Handlungsfähigkeit im Anti-Terror-Kampf zu geben. „Putschisten sind Straftäter, doch sie sind keine Terroristen“, sagte Oettinger. „Die Minderheiten im Parlament sowie die Medien im Land brauchen Freiheiten. Die sollten nicht eingeschränkt werden.“

  • 7/17/2016 3:27:26 AM   Klaus Bardenhagen

    In der Türkei befinden sich nach Worten von Bundesaußenminister Steinmeier derzeit 200.000 Urlauber aus Deutschland. Diese Zahl nannte er im Gespräch mit der Zeitung „Bild am Sonntag“.

    Deutsche Reisekonzerne beschrieben die Lage in den türkischen Hauptbade-Regionen Antalya und Bodrum als ruhig. Nur sehr wenige Gäste wollen den Angaben zufolge vorzeitig abreisen.

    Das Auswärtige Amt warnte nicht generell vor Reisen in die Türkei. Das Ministerium riet Bundesbürgern in Istanbul und Ankara aber zu äußerster Vorsicht, insbesondere auf öffentlichen Plätzen und bei Menschenansammlungen.

  • 7/17/2016 3:34:43 AM   Klaus Bardenhagen
    Gegen 140 Richter und Staatsanwälte in der Türkei sind lokalen Medien zufolge Festnahmebefehle ergangen. Mehrere türkische Medien berichteten in der Nacht zum Sonntag, dass die Richter und Staatsanwälte aus Istanbul der Mitgliedschaft in einer terroristischen Organisation und Beteiligung am Putschversuch beschuldigt würden. Den Berichten zufolge sollen Wohnungen und Büros der Beschuldigten durchsucht werden.

    Am Samstag waren nach dem gescheiterten Putschversuch in der Türkei nach Angaben aus Regierungskreisen bereits zwei Mitglieder des Verfassungsgerichts in Ankara festgenommen worden, wie zuvor schon zehn Mitglieder des türkischen Staatsrats und fünf Mitglieder des Hohen Rats der Richter und Staatsanwälte.

    Insgesamt 2700 Richter wurden bereits abgesetzt - fast ein Fünftel der schätzungsweise rund 15 000 Richter in der Türkei. Der Chef der Richtergewerkschaft Yargiclar, Mustafa Karadag, sagte der Deutschen Presse-Agentur in Istanbul, nicht nur mutmaßliche Unterstützer des Putsches, sondern auch völlig unbeteiligte Kritiker Erdogans würden festgenommen.
  • 7/17/2016 8:40:26 AM   Thomas Holl

    Die Putschisten in der Türkei hatten nach Angaben aus Regierungskreisen in Ankara sechs F16-Kampfflugzeuge in ihre Gewalt gebracht. Die Jets seien von der Luftwaffenbasis in Diyarbakir gestartet, über Istanbul und Ankara geflogen und schließlich auf der Luftwaffenbasis in Malatya gelandet, hieß es aus Regierungskreisen. Nach dem Scheitern des Putschversuches hätten in der Nacht zu Sonntag fünf F16 mit regierungstreuen Piloten aus der Luftwaffenbasis Eskisehir Patrouillenflüge über Istanbul absolviert. Nach dem Putschversuch wurden knapp 3000 Verdächtige aus den Reihen der Streitkräfte festgenommen, darunter auch der Kommandeur der Zweiten Armee, General Adem Huduti. Die Zweite Armee hat ihr Hauptquartier in Malatya, wo die Jets gestartet sein sollen, und ist für die Grenzregion zu Syrien, dem Iran und dem Irak zuständig. Die Putschisten hatten unter anderem das Parlament in Ankara bombardiert.

  • 7/17/2016 8:48:57 AM   Thomas Holl

    Auch führende Verteter der EU sind besorgt über die Entwicklung in der Türkei nach dem von Präsident Erdogan niedergeschlagenen Militärputsch. EU-Kommissar Günter Oettinger (CDU) warnt die Regierung in Ankara, die demokratischen Grundrechte weiter einzuschränken. Sollte Erdogan den Putsch dazu nutzen, würde er sich von den Werten der Europäischen Union und der Nato entfernen. „Er würde damit seine Position zwar innenpolitisch stärken, doch er würde sich außenpolitisch isolieren“, sagte Oettinger der „Welt am Sonntag“. Der Putsch sei kein Grund, dem türkischen Staat mehr Handlungsfähigkeit im Anti-Terror-Kampf zu geben, fügte der EU-Kommissar hinzu. Putschisten seien Straftäter, doch keine Terroristen. „Die Minderheiten im Parlament sowie die Medien im Land brauchen Freiheiten. Die sollten nicht eingeschränkt werden.“

     

  • 7/17/2016 9:17:44 AM   Thomas Holl

    Der Grünen-Politiker Omid Nouripour hat sich sehr besorgt über die Äußerungen des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan zur Todesstrafe geäußert. „Wir reden alle über die Absetzungen im Militär, aber am meisten Angst macht mir, dass in der Türkei nun wieder Rufe nach der Todesstrafe laut wurden. Das ist beängstigend“, sagte Nouripour der „Huffington Post Deutschland“. Außerdem rief er die Bundesregierung dazu auf, klare Worte gegenüber Erdogan zu finden. „Wir dürfen Erdogan nicht machen lassen, was er will. Wir müssen jetzt genauer hingucken und nicht alles unkommentiert lassen.“ Baue Erdogan ein „noch autoritäreres System auf, dann würde das die deutsch-türkischen Beziehungen belasten, warnte Nouripour. Bei einer Rede in Istanbul hatte Erdogan als Reaktion auf Forderungen seiner Anhänger nach der Einführung der Todesstrafe gesagt: „Dass jede Forderung bewertet, besprochen und diskutiert wird, ist in einem demokratischen Land ein Recht“.

  • 7/17/2016 10:08:56 AM   Thomas Holl

    Der türkische Hubschrauber, mit dem sich acht mutmaßliche Putschisten nach Griechenland abgesetzt hatten, ist in die Türkei zurückgeflogen worden. Medienberichten zufolge landete am späten Samstagabend ein anderer türkischer Militärhelikopter auf dem Flughafen der griechischen Grenzstadt Alexandroupolis. Dessen Besatzung überprüfte den Hubschrauber und brachte ihn zurück in die Türkei. Am Montag soll das Asylverfahren der acht türkischen Militärs beginnen, die sich abgesetzt hatten. Es könnte mehrere Wochen dauern, wie griechische Asylexperten vermuteten. Die Türkei fordert die sofortige Auslieferung der mutmaßlichen Putschisten. Es handelt sich um drei Majore, drei Hauptmänner und zwei Unteroffiziere, alle Heeresflieger, wie griechische Medien berichteten.

  • 7/17/2016 10:40:18 AM   Thomas Holl

    Nach dem gescheiterten Putschversuch in der Türkei sind rund 6000 Menschen festgenommen worden. Dies teilte am Sonntag Justizminister Bekir Bozdag mit. Er kündigte nach Angaben der amtlichen Nachrichtenagentur Anadolu an, dass die „Säuberungsaktionen“ fortgesetzt würden. „Die Säuberungsaktionen werden derzeit fortgesetzt“, sagte Bozdag. „Wir haben bereits 6000 Menschen festgenommen. Und die Zahl wird noch über 6000 steigen.“

  • 7/17/2016 10:55:14 AM   Thomas Holl

    Beruhigende Nachricht für deutsche Urlauber: Nach dem Putschversuch in der Türkei ist die Lage für die Touristen in den Urlaubsgebieten des Landes nach Einschätzung des Reiseveranstalters Tui ruhig geblieben. Rund 30 Rückreisewünsche seien geäußert worden - bei etwa 18.000 Tui-Gästen in der Türkei, sagte die Sprecherin des Reisekonzerns, Anja Braun, am Sonntag. „Die Lage ist absolut ruhig. Wer hin will, kommt hin, wer zurück will, kommt zurück.“ Seit Samstagabend seien entsprechende Anfragen von Gästen versiegt. Die Passagiere hätten ihre gebuchten Ausflüge unternommen. Sie sprach von einem „ganz normalen Prozedere“ in den Reisegebieten, vor allem in Antalya. Unklar war zunächst, wie viele Reisende ihren geplanten Türkei-Urlaub mit Tui stornierten. Das Angebot, gebuchte Reisen umzubuchen oder zu stornieren, gelte bis Montagabend, sagte Braun.

  • 7/17/2016 11:49:55 AM   Thomas Holl
    Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hat angekündigt, dass die Bundeswehr im türkischen Incirlik ab Montag wieder ihren „normalen Flugbetrieb“ aufnehmen wird. „Nach den Ereignissen von Samstagnacht wurde die Sicherheitsstufe für das gesamte Areal weiter erhöht. Wir planen, dass am Montag der normale Flugbetrieb mit den Aufklärungstornados und dem Tank-Airbus wieder aufgenommen werden kann“, sagte von der Leyen der Zeitung „Rheinische Post“. Die Ministerin betonte: „In Incirlik ist am Wochenende schnell wieder Ruhe eingekehrt. Außer einem Stromausfall und Flugbewegungen auf der türkischen Seite der Luftwaffenbasis hatten die Unruhen der Nacht keine Auswirkungen.“
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