Uni-Chat: Was soll ich studieren - Jura oder Medizin?

Uni-Chat: Was soll ich studieren - Jura oder Medizin?

  • 5/17/2016 2:08:07 PM   Professor
    • Ferdinand Gerlach
    Es gibt sogenannte Memotechniken: siehe Fachliteratur dazu.
     
    Am bestens hilft es nach meiner persönlichen Erfahrung, wenn man sich für „echte“ kranke Menschen interessiert und dann an deren Beispiel alles über deren konkrete Krankheiten lernt. Anschließend sollte man das Gelernte anderen Mitstudierenden erklären, dabei setzt sich der Stoff weiter fest. Auch ist es hilfreich, sich in Lerngruppen gegenseitig „zu prüfen“. Das trainiert ebenfalls …
  • 5/17/2016 2:08:20 PM   Professor
    • Christoph Möllers
    Ich weiß gar nicht, ob man sein Gedächtnis überhaupt trainieren kann. Ich habe versucht, Probleme zu lernen, also offene oder umstrittene Fragen, die ich mir besser merken kann als irgendwelche "Rechtssätze".
  • 5/17/2016 2:09:57 PM   Professor
    • Christoph Möllers
    An Herrn Professor Möllers: Wie ist der Weg eines Juristen, wenn er sich der Rechtswissenschaft widmen wollen würden? Welche Voraussetzungen (Staatsexamen-Schnitt, Begabungen etc.) sollten vorhanden sein? Vielen Dank!

    -Daniel
    Sie meinen, wenn er an der Uni bleiben wollte? Er/Sie sollte schon gute Examina haben, ich fände es schwierig, Studierende auf Prüfungen vorzubereiten, die man selbst nicht gut absolviert hat. Dann ist es wichtig, eigene wissenschaftliche Fragestellungen zu haben. Leider lernt man im engeren Sinne wissenschaftliches Arbeiten im Jura-Studium nur beschränkt. Immerhin bekommt man bei den Arbeiten im Schwerpunktbereich und den Seminararbeiten einen Eindruck, ob man für wissenschaftliches Arbeiten geeignet ist.
  • 5/17/2016 2:10:39 PM   Professor
    • Ferdinand Gerlach
    Warum schaffen männliche Jugendliche nur in solch geringer Zahl im Vergleich zu den Mädchen sehr gute Abinoten und damit den Zugang zum Medizinstudium? Brauchen wir einen "Boys Day" für medizinische Studiengänge als Äquivalent zum "Girls Day" für technische?

    -Julius Krull
     
    Um diese Frage zu beantworten, müsste ich mich der Schulforschung beschäftigen – das habe ich bisher nicht gemacht.  An der Universität Frankfurt haben wir inzwischen bereits einen „boys and girls days“. Ob das aber etwas an den Schulnoten ändert, ist schwer zu sagen …
  • 5/17/2016 2:12:06 PM   Professor
    • Christoph Möllers
    Als Arzt kann man weltweit arbeiten. Wie sieht es mit deutschen Juristen aus?

    -peter
    Das kommt darauf an, was Sie aus dem Studium machen. Wenn Sie sich ein trans- oder internationales Rechtsgebiet aussuchen und Fremdsprachen beherrschen, sind Sie nicht auf Deutschland beschränkt. Es arbeiten sehr viele deutsche Juristen z. B. in internationalen Organisationen.
  • 5/17/2016 2:13:02 PM   Professor
    • Ferdinand Gerlach
    Hat es große Nachteile, wenn man im Medizinstudium nur den Bachelor macht? Was kann ich mit dem Bachelor und Master erreichen?

    -Jacqueline
     
    Das Medizinstudium in Deutschland wird mit einem Staatsexamen abgeschlossen. Bachelor und Master gibt es bei uns nicht.
  • 5/17/2016 2:13:50 PM   Professor
    • Ferdinand Gerlach
    Gerlach,Wie bereitet man sich am besten auf die Prüfungen vor?

    -Jacqueline
    Bei den theoretischen Prüfungen: lernen, lernen, lernen. Je nach persönlichem Typ gerne in einer sich gegenseitig bestärkenden Lerngruppe und mit einem gut strukturierten Zeitplan bis zur Prüfung.
     
    Bei mündlich-praktischen Prüfungen ist ein Training in allgemeinmedizinschen Lehrpraxen hilfreich. Hier sieht man sehr viele Patienten mit sehr vielen verschiedenen Krankheitsbildern in kurzer Zeit.
     
  • 5/17/2016 2:15:01 PM   Professor
    • Christoph Möllers
    Herr Möllers: Wenn man im Rechtsstudium etwas länger braucht und trotz mittelmäßiger Noten auf Grund des Interesses weiter macht, wie kann man dennoch den Berufseinstieg schaffen?Wäre hierfür ein Praktikum, stud. Hilfskraft oder anderes hilfreich?

    -Robert
    Es gibt viele Studierende mit nicht allzu glänzenden Noten, die sich für ein bestimmtes Thema interessieren und versuchen, in den entsprechenen Arbeitsmarkt mit Hilfe von Praktika hineinzukommen - und nach meiner Beobachtung klappt das auch häufig. Je genauer Sie wissen, was Sie tun wollen und was Sie interessiert, desto besser können Sie sich einem Thema nähern, ohne dass Sie dann auf Ihre Noten reduziert würden.
  • 5/17/2016 2:15:29 PM   Uwe Marx
    Wer noch fragen möchte, sollte sich sputen - das Ende des Chats rückt näher. Eine Viertelstunde noch...
  • 5/17/2016 2:18:38 PM   Professor
    • Ferdinand Gerlach
    Wann war der Zeitpunkt, als sie beschlossen haben Medizin zu studieren? Gibt es auch Ihnen bekannte Ärzte, die vorher etwas ganz anderes studiert haben und dann quer eingestiegen sind? Sind die Chancen als Zweitstudienbewerber dann auch wirklich so niedrig?

    -Dominik R
     
    1. Bei mir persönlich war das schon sehr früh – mit dem Abitur – klar. Ich konnte mir damals alternativ auch Politik, Psychologie oder Soziologie vorstellen und habe dann später noch einen Master in Public Health mit Schwerpunkt Management im Gesundheitswesen gemacht. Heute bin ich Facharzt für Allgemeinmedizin und zusätzlich in der wissenschaftlichen Politikberatung aktiv. Das zeigt vielleicht, wie viele Möglichkeiten man in der Medizin hat, auch langfristig verschiedene Interessen zu verfolgen.
    2. Da gibt es zahlreiche Beispiele. Quereinsteiger aus anderen Studiengängen oder Berufen gibt es in jedem Jahrgang.
    3. Das kommt darauf an und ist sehr komplex. Wartezeiten werden nur bedingt angerechnet. Evtl. können bestimmte Studienleistungen im späteren Medizinstudium angerechnet werden.
  • 5/17/2016 2:21:03 PM   Professor
    • Christoph Möllers
    Herr Möllers, wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, nach einem erfolgreichem Studium der Rechtswissenschaften bei einer internationalen Organisation oder dem Auswärtigen Amt arbeiten zu können?

    -MaStö
    Gute Frage. Das kommt auf den Sample an. Von allen Jurastudierenden gering, von den besten 10% sicherlich sehr ordentlich; aber es ist klar, dass Sie bei solchen Anstellungsentscheidungen nicht nur nach Ihren Noten beurteilt werden, sondern auch nach anderen Erfahrungen und sozialen Kompetenzen - wie bei allen interessanten Berufen.
  • 5/17/2016 2:22:00 PM   Professor
    • Ferdinand Gerlach
    Herr Professor Gerlach, kann man ein Studium der Medizin ohne Chemie und Physik und nur mit einem Grundkurs Biologie in der Oberstufe trotzdem erfolgreich absolvieren?

    -MaStö
    Wenn Sie „fleißig“ sind, d.h. sich das geforderte Wissen im Studium aneignen: definitiv ja.
  • 5/17/2016 2:24:41 PM   Professor
    • Christoph Möllers
    An Herrn Prof. Möllers: inwieweit war ihr akademischer Hintergrund bei Ihrer Tätigkeit als Richter hilfreich? Inwieweit waren die Erfahrungen, die Sie als Richter gemacht haben, für Ihre akademische Tätigkeit hilfreich? Oder gab es eher weniger Synergieeffekte zwischen diesen beiden unterschiedlichen juristischen Arbeitsgebieten?

    -Matt
    Das ist eine schwierige Frage, ich bin mir selbst nicht ganz sicher. Erst einmal kann einem die akademische Erfahrung durchaus im Wege stehen, wenn man praktisch Fälle lösen will, auf der anderen Seite kam mir manches im Gerichtsbetrieb eher zu langwierig und unanschaulich vor, also fast zu "akademisch". Für die wissenschaftliche Arbeit fand es ich in jedem Fall sehr hilfreich, an solchen Entscheidungen mitwirken zu können, gerade auch in der Auseinandersetzung innerhalb eines Spruchkörpers. Ich weiß jetzt genauer, worum es geht, wenn ich über methodische Probleme nachdenke.
  • 5/17/2016 2:25:48 PM   Professor
    • Ferdinand Gerlach
    Wie belastend ist ein Medizinstudium psychisch?

    -Irina
     
    Das Studium bietet da so einiges:
    1. Hohe Anforderungen an die Prüfungsleistungen
    2. Umgang mit Schwerkranken, evtl. todkranken Patienten
    3. Schilderung von Symptomen, die man vielleicht bei sich selbst feststellt
    Das alles kann(!) belastend sein – muss es aber nicht. Die meisten Studierenden kommen damit gut klar, nicht wenige leiden aber darunter, werden evtl. sogar krank, nehmen Medikamente.
     
    Das gibt es sicher auch in anderen Studiengängen, sollte aber ernst genommen werden …
  • 5/17/2016 2:28:57 PM   Professor
    • Christoph Möllers
    Herr Möllers, denken Sie, dass Vorlesungen für ein erfolgreiches Studium unerlässlich sind, oder kann man auch mit Selbststudium gute Leistungen erzielen?

    -Marie
    Das hängt sowohl von Ihnen als auch von der Vorlesung ab. Ich hatte in den ersten drei Semestern meines Studiums eine sehr gute Einführungsvorlesung, von der ich mein ganzes Studium gezehrt habe, aber alles in allem auch sehr viele sehr langweilige. Man sollte sich alles mal angucken und wenn es nicht interessant ist, sich nicht weiter hineinquälen.
  • 5/17/2016 2:32:14 PM   Professor
    • Ferdinand Gerlach
    @ Prof. Gerlach: Wie sehen Sie die Möglichkeiten für eine Tätigkeit in der medizinische Forschung? Kann man tatsächlich Krankenversorgung und Wissenschaft unter einen Hut bringen?

    -Bredon
     
    Die Möglichkeiten für eine Tätigkeit in der medizinische Forschung sind grundsätzlich sehr gut. Wir brauchen dringend junge Ärztinnen und Ärzte, die Lust darauf haben. Es ist tatsächlich eine spezielle Herausforderung, Krankenversorgung und Wissenschaft unter einen Hut zu bringen, es werden aber bundesweit spezielle Programme angeboten, damit dies zukünftig besser gelingt ...
  • 5/17/2016 2:33:38 PM   Professor
    • Ferdinand Gerlach
    Ist Deutschland das einzige Land auf der Welt, in dem das Medizinstudium gebührenfrei ist?

    -Julius Krull
     
    Soweit mir bekannt, nein.  In jedem Fall sollte wir es zu schätzen wissen, dass die Gesellschaft sehr viel Geld investiert, um gute Ärztinnen und Ärzte auszubilden …
  • 5/17/2016 2:35:00 PM   Uwe Marx
    Noch eine persönliche Frage an beide:
    An beide: Inwieweit haben Sie Ihren beruflichen Werdegang geplant? Welche Zwischenziele hatten Sie und welche Anpassungen nahmen Sie vor?

    -Robert
     
  • 5/17/2016 2:35:15 PM   Professor
    • Christoph Möllers
    Ich bin vielleicht nicht so repräsentativ, weil ich von Anfang machen wollte, was ich heute mache, und es zu meinem großen Glück einfach geklappt hat.
  • 5/17/2016 2:36:24 PM   Professor
    • Ferdinand Gerlach
    Ich bin da vielleicht eher eine Ausnahme und habe meinen beruflichen Werdegang tatsächlich sehr langfristig geplant. Das ist keineswegs unbedingt erforderlich, auch spontane Kurswechsel, mit denen man seinen Neigungen folgt, machen durchaus Sinn!
     
    Bei mir waren Studium, Promotion, Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin, Zusatzstudium in Public Health, Habilitation und erste Professur wesentliche Zwischenziele.
  • 5/17/2016 2:36:52 PM   Uwe Marx
    Wir haben zwar noch einige Fragen vorliegen, müssen aber leider zum Ende kommen. Danke an alle Teilnehmer für den lebhaften Austausch - und an unsere Experten, den Professoren Gerlach und Möllers, für ihre Expertise und Ausdauer.
    Bitte vormerken: In zwei Wochen folgt der nächste Uni-Chat bei FAZ.NET.
     
  • 5/17/2016 2:37:49 PM   Professor
    • Christoph Möllers
    Danke auch von mir!
  • 5/17/2016 2:38:27 PM   Professor
    • Ferdinand Gerlach
    Vielen Dank, gute Entscheidungen und tschüs.
  • 5/17/2016 2:39:36 PM   Uwe Marx
    Danke liebe FAZ, ich habe viel lernen und mitnehmen können. Ich schreib mich im kommenden Semester ein, obwohl ich 31 bin. Juhu!

    -Julius Krull
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