Uni-Chat: Was soll ich studieren - Mathe oder Informatik

Uni-Chat: Was soll ich studieren - Mathe oder Informatik

  • 5/3/2016 12:51:04 PM   Uwe Marx
    Nur noch wenige Minuten bis zum Start. Zuletzt standen hier die Fächer VWL und BWL im Mittelpunkt, heute also: Mathematik und Informatik. Wir freuen uns auf einen weiteren intensiven Austausch - mit den Professoren Beutelspacher von der Uni Gießen und Müller-Quade vom KIT in Karlsruhe im Mittelpunkt.
  • 5/3/2016 12:54:26 PM   Uwe Marx

    F.A.Z.-Uni-Chat: Was soll ich studieren - VWL oder BWL?

    FAZ.NETNoch mal zum Nachlesen, was zwischen BWL und VWL so hin und her ging.
  • 5/3/2016 1:01:14 PM   Uwe Marx

    Wer etwas mehr über Albrecht Beutelspacher und Jörg Müller-Quade erfahren möchte,  kann sich ansehen, wie intensiv sie für ihr Fach werben:

    Albrecht Beutelspacher nennt im Video drei Gründe, Mathematik zu studieren.

    http://www.faz.net/aktuell/beruf-chance/uni-ratgeber-drei-gruende-mathematik-zu-studieren-13879268.html

    Jörn Müller-Quade zählt drei Gründe für sein Fach Informatik auf.

    http://www.faz.net/aktuell/uni-ratgeber-drei-gruende-informatik-zu-studieren-13735251.html

  • 5/3/2016 1:03:07 PM   Uwe Marx
    Was uns in der Redaktion schon intensiv beschäftigt: Sind denn nun die Mathematiker die etwas schrulligen, weltfremden Super-Nerds an den Hochschulen, oder sind es die Informatiker?
  • 5/3/2016 1:04:45 PM   Professor
    • Albrecht Beutelspacher
    Mathematiker sind meist völlig normale Menschen - allerdings braucht man schon den Willen und die Fähigkeit, sich mit sehr abstrakten Objekten zu beschäftigen.

  • 5/3/2016 1:07:16 PM   Professor
    • Jörg Müller-Quade
    Ich bin Physik-/Matheleistungskurs in Sachsen und stehe auf 10/12 Punkten. Wie realistisch ist die Chance ein Studium zu schaffen?Maxam 2. Mai 18:01


    Es ist nicht leicht von Schulnoten auf den Studienerfolg zu schließen. Gute Mathe-Noten sind ein Hinweis auf einen möglichen Studienerfolg, aber am wichtigsten ist, erstaunlicherweise, der Wunsch es zu schaffen, Durchhaltevermögen und etwas Frustrationstoleranz.



  • 5/3/2016 1:08:37 PM   Professor
    • Albrecht Beutelspacher
    Der Erfolg im Studium hängt nicht direkt von der Note in der Schule ab. Man kann auch mit "guten" Leistungen ein Mathe-Studium schaffen - aber auch mit sehr guten Schulnoten komplett abschmieren.

  • 5/3/2016 1:09:24 PM   Professor
    • Jörg Müller-Quade
    Was uns in der Redaktion schon intensiv beschäftigt: Sind denn nun die Mathematiker die etwas schrulligen, weltfremden Super-Nerds an den Hochschulen, oder sind es die Informatiker?

    Nerds gibt es bei uns in der Informatik genauso, wie nicht-Nerds. Einige machen daraus inzwischen sogar einen "Nerd Chic” oder nehmen das mit viel Humor. Davon sollte man sich aber nicht abschrecken lassen. Die Menschen bei uns sind so unterschiedlich,  dass kein Klischee es trifft…

  • 5/3/2016 1:11:30 PM   Uwe Marx
    Über Facebook erreicht uns diese Frage: Wie bewerten Sie nachträglich die Verschulung des
    Studiums, wie sie in den letzten Jahren stattgefunden hat?


  • 5/3/2016 1:12:08 PM   Professor
    • Albrecht Beutelspacher
    Die Bachelor- und Master-Ausbildung schafft einen verlässlichen Rahmen für die Studierenden. Daher beherrschen sie auch den "Normalstoff" besser. Diese Methode regt allerdings nicht von sich aus dazu an, wissenschaftich-forschend tätig zu werden.

  • 5/3/2016 1:13:04 PM   Professor
    • Jörg Müller-Quade
    Hier wurde leider Freiheit geopfert. Ich denke, dass Studierende sehr mündige “Kunden” sind, das sieht man an Vorlesungsevaluationen, wo sogar schwierige Vorlesungen gute Noten bekommen können. Diese Freiheit hat einen auch selbständiger gemacht. Trotzdem kenne ich auch jetzt viele Studierende, denen das Studium Spass macht! Nur eine weitere Verschulung (etwa der Promotion) fände ich, angesichts der gemachten Erfahrungen, falsch.
  • 5/3/2016 1:16:24 PM   Uwe Marx
    Eine weitere Frage via Facebook: Ist Informatik eigentlich ein Teilgebiet der Mathematik?
    Oder ist das eine veraltete Vorstellung aus den Siebzigerjahren? Ist es
    mittlerweile vielleicht sogar eher umgekehrt?


  • 5/3/2016 1:17:11 PM   Professor
    • Albrecht Beutelspacher
    Informatik und Mathematik sind Geschwister, die sich (wieder) lieb haben. Sie haben viele Gemeinsamkeiten, stehen aber beide auf eigenen Beinen.

  • 5/3/2016 1:18:13 PM   Professor
    • Jörg Müller-Quade
    Die Informatik hat ihre Wurzeln in der E-Technik und den Naturwissenschaften ebenso wie in der Mathematik. All das kann man im Studium wiederfinden. (Informatik ist die letzte Universalwissenschaft ;-)

    Mein eigenes Fachgebiet (Kryptographie) kann auch als Teil der Mathematik gesehen werden, aber das greift auch wieder zu kurz, weil man dann viele moderne Aspekte vernachlässigt. Etwa, dass ein Angreifer auch den Stromverbrauch beobachten kann, um auf Geheimnisse zu schließen, mit denen gerechnet wurde. Im Studium kann man sich spezialisieren und sehr viel Mathe machen, wenn man will….


  • 5/3/2016 1:19:02 PM   Professor
    • Albrecht Beutelspacher


    Was genau kann ich mit einem abgeschlossenen Mathematikstudium anfangen?Jonathanam 15:10

    Mathematiker und Mathematikerinnen sind sehr gesucht. Zum einen in Feldern, in denen wirklich (Universitäts-)Mathematik gemacht wird: Finanzmathematik, Kryptographie, Optimierung... Zum anderen macht ein erheblicher Teil im Beruf keine "höhere" Mathematik mehr. Aber ihre Kompetenzen sind gefragt:

    - Mathematiker erkennen, worauf es wirklich ankommt. Sie können den Kern eines Problems herausarbeiten

    - Sie können "analytisch denken", das heißt ihnen geht kein Fall durch die Lappen.

    - Sie sind sehr frustrationstolerant. Wenn ein Problem nach einer Woche noch nicht gelöst ist, sind sie glücklich; denn dann wissen sie: das ist ein echtes Problem, für das sich zu arbeiten lohnt!

  • 5/3/2016 1:19:58 PM   Professor
    • Jörg Müller-Quade
    Eine Frage, die mich als schon etwas fortgeschrittener Informatik-Student beschäftigt: Was sehen Professoren besonders gerne in den Bewerbungen (möglicher) Doktoranden? Hervorragende Programmierfähigkeiten in X Sprachen, eigene Forschungsprojekte zum gewünschten Thema, ...?Philipp H.am 15:08

    Forschungsprojekte wären natürlich das Beeindruckendste. Die Wichtigkeit der Programmierfähigkeit hängt stark an der Ausrichtung. In der Theorie sollte man eher schon mal einen Beweis geführt haben. Näher an der Praxis muss man natürlich programmieren können. Schaden tut’s nie das Grundhandwerk zu verstehen!
  • 5/3/2016 1:23:07 PM   Professor
    • Jörg Müller-Quade
    An Herrn Müller-Quade,

    ich bin ein sehr Hacking und Kryptologie interessierter junger Mensch. Deckt ein Informatik-Studium diese Bereiche überhaupt ab?CNam 15:12
    Sehr schön! Kryptologie ist klar im Informatikstudium enthalten. Wie tief man geht, hängt ein bisschen vom Standort ab, ob Krypto und IT-Sicherheit dort ein Schwerpunkt sind.

    Hacking ist etwas seltener Teil des Lehrangebots ;-) Das hängt auch wieder vom Standort ab.
    Vieles kann man aber auch durch privates Engagement erreichen. So gibt es in Karlsruhe eine Capture the Flag Gruppe, die regelmäßig an Wettbewerben teilnehmen, die das aber freiwillig tun und damit keine ECTS-Punkte kriegen.

    Damit meine ich das praktische Hacking. Die Grundlagen für’s Hacken, warum das überhaupt geht, lernt man aber sicherlich.

  • 5/3/2016 1:24:29 PM   Professor
    • Albrecht Beutelspacher


    Welche Erfahrungen haben Sie mit Studenten die bereits älter sind (25+) und über die neuen Wege wie Meister oder Berufserfahrung zugelassen wurden bezüglich der Erfolgsquote.Sam 15:18

    In der Regel wissen Studierende mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung viel genauer, was sie wollen, und studieren viel zielstrebiger. Andererseits ist man eventuell lange von der (Schul)mathematik weg und hat Anschlussschwierigkeiten. Im Wesentlichen überwiegt aber das Plus.
  • 5/3/2016 1:26:25 PM   Professor
    • Jörg Müller-Quade
    Was sollte man am Ende seines Informatik-Masters vorweisen können, um eine/n Doktorvater/mutter für sich begeistern zu können? (Notenschnitt besser X, überragende Programmierfähigkeiten, extracurriculare Projekte zu Promotionsthema, etc.)Philipp H.am 28. April 21:17

    Am Besten man hat schon mit seiner Abschlussarbeit begeistert oder war länger HiWi
    an dem Lehrstuhl. Die Noten vieler Studierender, die ich schätze, kenne ich gar nicht. Bei formalen Auswahlverfahren (etwa für Stipendien) sind Noten natürlich entscheidend, aber auch extracurriculare Projekte, weil man sich ja von anderen Bewerbern abheben will.
  • 5/3/2016 1:30:04 PM   Professor
    • Jörg Müller-Quade
    Haben Sie Erfahrungen bezüglich Studenten die von einer Dualen Hochschule kommen und sich für einen Masterstudienplatz im Bereich Informatik interessieren.Sam 15:16

    Ja. Es ist natürlich schwierig, weil manche Inhalte
    anders vermittelt wurden, aber schaffbar. Ein sehr erfolgreicher ehemaliger Doktorand von mir kam von der Dualen Hochschule :-)

    Inwieweit das Studium an der Dualen Hochschule alle Eingangsvoraussetzungen erfüllt und was man tun muss, wenn nicht, würde ich die Studienberatung an der Ziel-Uni fragen...


  • 5/3/2016 1:31:24 PM   Professor
    • Albrecht Beutelspacher

    Sollten aus Ihrer Sicht die Mathematik und speziell die Informatik verstärkt auch Stellung zu politischen Themen beziehen insb. in Hinblick auf die Geheimdienstenthüllungen und Bürgerrechte der Zukunft? Also eine Art "Ethik" entwickeln und dazu Stellung nehmen so wie auch die Physiker bei der Entwicklung der Atombombe?Paul Meyeram 15:20

    In der Regel sind Mathematiker erst mal glücklich, wenn ihre Wissenschaft im gesellschaftlichen Leben eine Rolle spielt (ich rede jetzt nicht von angewandter Mathematik und ihrer großen Bedeutung).

    Mir ist immer wichtig, herauszuarbeiten, was die
    Mathematik sagen kann, und wo persönliche oder politische Entscheidungen getroffen werden können und müssen.

    Das könnte in einem "studium generale" oder
    Philosophie der Mathematik gelehrt werden. Allerdings ist meine Erfahrung, dass solche Fragen erst ernst genommen werden, wenn sie einen persönlich betreffen.

  • 5/3/2016 1:31:52 PM   Professor
    • Jörg Müller-Quade
    Ja, das wird gerade stark diskutiert. Vieles davon aber neben dem Studium. In Karlsruhe gab es gerade eine Anti-Prism-Party mit einer Publikumsdiskussion, wo solche Dinge besprochen wurden. Oder im Zentrum für Kunst und Medientechnologie gibt es eine Ausstellung “Global Control and Censorship”, die das künstlerisch beleuchtet. Als Studierender sollte man solche Angebote unbedingt auch mitnehmen und mit Kommilitonen diskutieren.
  • 5/3/2016 1:34:40 PM   Professor
    • Jörg Müller-Quade
    Gibt es bereits eine Tendenz was für Informatik Themen in den nächsten Jahren wichtig werden könnten und an denen momentan begonnen wird zu forschen. Also nach Industrie 4.0, Autonomes Fahren, Virtual Reality,
    Bzw. welche Themen beginnen sich zu einem Trend zu entwickeln.
    Wo werden momentan besonders häufig Forschungsprojekte begonnen.Sam 15:23

    Hier müsste ich sehr lange Antworten, weil es so viele
    Möglichkeiten gibt. Ich schreibe aber mal kurz, was mir spontan einfällt:

    1. Digitale Souveränität: wie können wir sicherstellen
    (technisch) Herr über unsere Geräte zu sein.
    Dies schließt etwa Fragen der
    Nachprüfbarkeit und der Beweisbarkeit ein, etwa ob man Software so designen
    kann, dass sie garantiert hintertürchenfrei ist.

    2. AI-Dystopia: Wie können wir verhindern, dass
    selbstlernende Maschinen zu einem Sicherheitsrisiko werden? Und trotzdem die
    Vorteile der künstlichen Intelligenz nutzen?


  • 5/3/2016 1:40:18 PM   Professor
    • Jörg Müller-Quade
    Welche Erfahrungen haben Sie mit Studenten die bereits älter sind (25+) und über die neuen Wege wie Meister oder Berufserfahrung zugelassen wurden bezüglich der Erfolgsquote.Sam 15:18

    Ich gebe Vorlesungen an der Hector-School. Hier werden Berufstätige neben ihrer normalen Arbeit weitergebildet und können einen Master-Abschluss erreichen. Studierende, die Vollzeit studieren, aber vorher Berufserfahrung gesammelt haben, kenne ich kaum.

    Mein Eindruck von den Hector-Studierenden ist, dass sie viel Stress haben und meines Erachtens etwas weniger Neugierig sind, aber das liegt sicher daran, dass sie nebenbei Arbeiten und ist im Einzelfall natürlich nicht richtig. (Alle Pauschalurteile sind falsch :-)

  • 5/3/2016 1:45:40 PM   Professor
    • Jörg Müller-Quade
    Worauf haben Sie sich denn im Studium spezialisiert und warum?Susanneam 15:04
    Ich habe mein Studium begonnen mit großer Begeisterung für Künstliche Intelligenz.  Damals (Ende der Achtziger) gab es eine richtige Goldgräberstimmung, wie Neuronale Netze Probleme lösen und wie man vielleicht das Gehirn verstehen lernt, wenn man Neuronale Netze  erforscht.  Später lernte ich die Computeralgebra kennen. Hier versucht man Gleihungen mit Computerhilfe zu lösen. Das fand ich sehr faszinierend. Man stand in einer langen Tradition der Algebra und war trotzdem einer der ersten, der gewisse Gleichungen (die als lösbar bekannt waren) lösen konnte.  Noch später kam ich zur Kryptographie und die hat mich nicht mehr los gelassen...
  • 5/3/2016 1:47:05 PM   Professor
    • Albrecht Beutelspacher
    Mein Spezialgebiet war "endliche Geometrie", also eine Mischung aus Kombinatorik, Geometrie und Algebra. Warum? (a) Weil ich eine Professorin hatte, die uns dafür begeisterte, (b) weil ich merkte, dass ich das kann und es mir wahnsinnig viel Freude macht.
  • 5/3/2016 1:48:14 PM   Professor
    • Albrecht Beutelspacher

    Sehr geehrter Herr Beutelspacher,

    In der Schule geht Mathe ja über Analysis, analytische Geometrie und etwas Wahrscheinlichkeitsrechnung nicht hinaus. Welche Gebiete der Mathematik werden im Studium im Allgemeinen unterrichtet? Und spezialisiert man sich im weiteren Studienverlauf stark auf ein bestimmtes Thema, oder behält man einen Gesamtüberblick?Marvin S.am 15:42

    Das Studium beginnt forma bei Null und baut dann die Gebiete auf. In der zweiten Hälfte des Studiums bzw. im Masterstudium beginnt eine Spezialisierung, weil man schon Einiges lernen muss, um in einem Gebiet der Mathematik wissenschaftlich arbeiten zu können. Oft konzentriert man sich so auf das eigene Gebiet, ja auf das Thema der Masterthesis (und später der Dissertation), dass man den Überblick verliert.

    Meine Meinung: Diese Konzentration ist wichtig (sonst
    bekommt man nichts hin), aber es ist schön und erholsam, auch mal was anderes (Mathematisches) zu sehen.

  • 5/3/2016 1:49:49 PM   Professor
    • Jörg Müller-Quade
    Welche Unis/FHs vermitteln ihr Wissen am besten, bzw. welche Unis/FHs zeichnen sich durch besonders gute Lehrkräfte aus? (Informatik/Wirtschaftsinformatik) (Bachelor)Ottoam 15:31

    Das hängt stark von Ihren Interessen ab! Hier gibt es
    sicherlich keine Universalempfehlung. Aber, eine große Uni bietet mehr Möglichkeiten und Ausweichmöglichkeiten, wenn einem etwas nicht gefällt.
  • 5/3/2016 1:50:15 PM   Uwe Marx
    Und wie sieht es in der Mathematik aus, Herr Beutelspacher?
  • 5/3/2016 1:50:55 PM   Professor
    • Albrecht Beutelspacher
    Nach wie vor ist das Grundstudium bzw. Bachelorstudium an allen deutschen Unis sehr ähnlich: In den ersten beiden Semestern Analysis I, II und Lineare Algebra I, II, dann Stochastik, Numerik und ein Seminar. D.h. vom Stoff her sind für die ersten Semester (!) alle Unis gleich. Die Qualität der Lehre ist von Professor zu Professor unterschiedlich.

    Meiner Beobachtung nach sind die Unterschiede innerhalb
    einer Uni größer als die von Uni zu Uni.
    (Ich weiß, das ist ein schwacher Trost.) Für das fortgeschrittene Studium empfiehlt sich, sich die Uni genau anzuschauen. Große Unis bieten mehr Gebiete an, aber auch bei einer kleinen kann mein Spezialgebiet super vertreten sein.

  • 5/3/2016 1:53:45 PM   Professor
    • Jörg Müller-Quade
    Hallo Herr Prof. Müller-Quade,
    Ist es möglich, nach abgeschlossenem General Management Bachelor-Studium einen Master in Informatik anzuknüpfen? Wenn ja, sind Vorkurse erforderlich?
    Danke!Ricoam 15:41

    Oh, das ist für mich jetzt schwierig zu beantworten, weil ich nicht alle Kriterien der Meisterauswahlkommission auswendig kenne und Ihren Studiengang auch nicht gut genug.

    Hier müssten Sie an die Fakultät Ihrer Ziel-Uni schreiben,die geben sicher gerne Auskunft...

  • 5/3/2016 1:57:53 PM   Professor
    • Jörg Müller-Quade
    Sehr geehrter Prof. Müller-Quade, sehr geehrter Prof. Beutelspacher,

    wie sehen Sie die Möglichkeiten in der interdisziplinären Forschung zwischen Medizin und Informatik/Mathematik. Meiner Wahrnehmung nach beschränkt sich die medizinische Informatik größtenteils auf "Krankenhaus-Software" und med. Mathematik beschäftigt sich hauptsächlich mit Statistiken und der Auswertung von Studien. Ist es nicht denkbar, dass in der Zukunft nicht anhand mathematischer oder virtueller Modelle auch medizinische Probleme gelöst werden können (bspw. Therapieentscheidungen getroffen werden usw.) und gibt es da schon Ansätze?Johannes Nikolausam 15:39

    Hm, Genetik fällt mir hier ein. Hier gibt es großen Bedarf an Informatikmethoden und es kann bis hin zum automatischen Finden von Therapien gehen…

    Hier müsste man wahrscheinlich länger recherchieren, um eine umfassende Antwort zu geben...

  • 5/3/2016 1:58:17 PM   Professor
    • Albrecht Beutelspacher
    Die Anwendungen der Mathematik in der Medizin gehen weit darüber hinaus. Das geht bis zur Modellierung von Eingriffen und  OP-Planung. Ein ganz aktuelles Forschungsgebiet!

  • 5/3/2016 1:59:57 PM   Professor
    • Jörg Müller-Quade
    Ich studiere Ingenieurswesen, habe aber im Laufe des Studiums eine Vorliebe zum theoretischen entdeckt. In einem klassischen Ingenieursberuf sehe ich mich nicht mehr und wollte fragen was für Tipps sie zur Weiterbildung in Informatik haben, neben einem vollen zweiten Studium.Philippam 15:31

    Ihre Disziplin hat sicherlich Berührungspunkte zur Informatik. Dort würde ich ansetzen. Weiterbildungsmaßnahmen, die kein volles Studium sind, sind häufig nicht sehr theoretisch. Vielleicht könnten Sie ja versuchen eine interdisziplinär angelegte Promotionsstelle zu finden, um sich langsam der Informatik zu nähern. Theorie ist für eine Promotion sicher gut.

  • 5/3/2016 2:01:01 PM   Professor
    • Albrecht Beutelspacher

    An Herrn Beutelspacher,

    Wann empfehlen Sie ein Mathematik- und wann ein Physikstudium? Haben Sie Erfahrungen mit Studenten gemacht, die im jeweils anderen Studienfach evtl. besser aufgehoben gewesen wären?CNam 15:54

    Der Unterschied ist real gering. Physik handelt (aber das ist meine persönliche Einschätzung) eher großzügig (man muss Sätze nicht ganz exakt beweisen), während in der Mathematik auch und gerade die Details wichtig sind. Neben der theoretischen Physik, die Mathematik-ähnlich arbeitet, gibt es auch Experimentalphysik, Festkörperphysik usw., wo andere Kompetenzen im Vordergrund stehen.

  • 5/3/2016 2:03:12 PM   Professor
    • Jörg Müller-Quade
    Viele Absolventen der Informatik haben nur sehr geringe Kenntnisse darüber, welche Techniken, jenseits der Beherrschung einer Programmiersprache, für eine professionelle Software-Erstellung erforderlich sind. In wie weit gehen Sie auf diese Aspekte ein?H.B.am 15:54

    Das machen doch sicher unsere Software-Techniker :-) Ohne Spaß: die Lücke zwischen Studium und Praxis wird wahrscheinlich immer (ein Stück weit) da sein, weil wir versuchen Grundlagen zu vermitteln und keine spezifischen Tools. Dies ist im Einzelfall anders, aber die generelle Richtung.

    Kurzfristig kriegt man also einen Praxisschock, weil gewisse wichtige Dinge so nicht vermittelt wurden, aber langfristig hoffen wir das richtige gelehrt zu haben. Vor allem das selbständige Lernen.

  • 5/3/2016 2:05:49 PM   Professor
    • Jörg Müller-Quade
    Ich würde gerne ein Unternehmen gründen. Alle neuen Geschäftsmodelle hängen heute sehr von der Software dahinter ab. Ist Informatik dafür das richtige Fach?Henrikam 15:54

    Ja, ich weiß nicht, ob es für Ihre Wünsche und Ideen noch richtiger ginge, aber es stimmt, die größte Wertschöpfung findet inzwischen in Software statt. Auch gibt es große Unterstützung für Ausgründungen, weil Unis zunehmend stolz darauf sind (und auch daran gemessen werden).
  • 5/3/2016 2:12:50 PM   Professor
    • Albrecht Beutelspacher

    Hallo Herr Prof. Beutelspacher,
    was für allgemeine Voraussetzungen bestehen für eine Karriere im akademischen Umfeld? Wie profiliert man sich am besten während des Studiums für eine solche Laufbahn?
    Danke!Floam 15:59

    In der Regel kommt man im Masterstudium zum ersten Mal
    intensiv mit wissenschaftlicher Forschung in Berührung.
    Man liest z.B. aktuelle Forschungsberichte (und versucht, diese zu verstehen). Dabei merkt man selbst, ob einem dies Spaß macht - und der Professor/die Professorin merkt auch, ob man das "kann". Oft entwickelt sich die Weiterarbeit (Dissertation) aus Gesprächen zwischen Prof. und Student. (Aber auch die Dissertation ist dann noch ein Abenteuer!)

    Ratschläge: In verschiedene Gebiet der Mathematik
    reinhören/reinschnuppern/reinlesen, damit man auch das findet, was wirklich zu einem passt - und nicht einfach beim ersten "hängenbleibt".

  • 5/3/2016 2:14:02 PM   Uwe Marx
    Wie sieht es denn mit der Konkurrenzfähigkeit deutscher Studenten im internationalen Vergleich aus? Sind uns Asiaten oder Amerikaner weit voraus?
  • 5/3/2016 2:14:33 PM   Professor
    • Albrecht Beutelspacher
    Deutsche Mathematikabsolventen sind definitiv auch international konkurrenzfähig. Allgemein ist die Spitze heute sehr international aufgestellt. An den wichtigen Forschungsinstituten finden sich junge WissenschaftlerInnen aus vielen Ländern - auch aus Deutschland.
  • 5/3/2016 2:14:54 PM   Professor
    • Jörg Müller-Quade
    Ich habe meinen Postdoc in Japan gemacht und hatte dort
    den Eindruck, dass deutsche Studierende durchaus konkurrenzfähig sind! Die
    Ausbildung bei uns legt mehr Wert auf Eigenständigkeit und ich finde das ein
    sehr wichtiges und gutes Lernziel. 

    Bei amerikanischen Studierenden ist die Bandbreite sehr
    groß, da ist alles dabei, aber man muss zugeben, dass eine Spitzen-Uni mit sehr
    guter Betreuungsrelation (und krassem Erfolgsdruck) hervorragende Absolventen
    hervorbringt.

  • 5/3/2016 2:15:22 PM   Uwe Marx
    Unser Chat nähert sich nach und nach dem Ende. Eine Viertelstunde noch, dann müssen wir unsere Experten wieder entlassen.
  • 5/3/2016 2:17:26 PM   Uwe Marx
    Wenn Sie mal auf das schauen, was man vom weiteren Werdegang ihrer  Informatikabsolventen hört: Wie viele davon sind mit ihrer Arbeit zufrieden? Und ich meine nicht im finanziellen Sinne oder dass sie doch an etwas arbeiten, das für die Menschheit bedeutsam ist. Sondern: Wie glücklich sind sie tatsächlich?
  • 5/3/2016 2:18:20 PM   Professor
    • Jörg Müller-Quade
    Dazu ist mir keine Untersuchung bekannt (und das finanzielle und Glück sind auch schwer empirisch zu trennen). Ich selbst arbeite viel mit Doktoranden. Bei denen habe ich den Eindruck, dass sie sich sehr wohl für das einige Fach begeistern und glücklich sind. Man hat einerseits knifflige Probleme, die zu lösen ein Erfolgserlebnis ist und andererseits hat man das Gefühl an etwas wesentlichem zu arbeiten (insbesondere in der Kryptographie und Cybersicherheit ;-) ;-)
  • 5/3/2016 2:19:02 PM   Uwe Marx
    Und wie ist das mit Mathematik-Absolventen?
  • 5/3/2016 2:19:37 PM   Professor
    • Albrecht Beutelspacher

    Das genaue Durchdenken eines Problems, eine Lösung zu finden, die wirklich eine ist (und nicht nur ungefähr passt), eine Sache wirklich abgeschlossen zu haben, das sind Gefühle, die (a) mathematisches Arbeiten vermittelt und (b) uns glücklich machen. Insofern lautet die Antwort (mit allen Einschränkungen): Ja!

  • 5/3/2016 2:20:08 PM   Professor
    • Jörg Müller-Quade
    Hallo zusammen,

    ich bin Info Student im Bachelor. Leider lief es bei mir in den ersten zwei Semestern nicht so gut, so dass ich momentan einen schlechten zweier Schnitt habe. Inwiefern ist die Bachelor Note später entscheidend um in interessante Projekte an der Uni/ in der privat Wirtschaft zu kommen?

    Viele GrüßeJanam 16:04

    Oh, einen ähnlichen Fall hatte ich gerade. Da war bei einem Studierenden eine enorme Leistungssteigerung in den späteren Semestern zu sehen. So etwas kann sehr positiv wirken! Allerdings müssen die, bei denen man sich bewirbt etwas genauer hinschauen. Denn nur am Durchschnitt sieht man so eine positive Entwicklung nicht. Mein Rat wäre, den Master zu machen mit, dann mit einem besseren Ergebnis :-)

  • 5/3/2016 2:20:20 PM   Professor
    • Albrecht Beutelspacher

    Ich selber studiere Wirtschaftsmathematik und beklage mich, dass in meinem Studium der Praxisbezug fehlt. Somit habe ich überhaupt keine Ahnung, in welchen Bereichen man in der Wirtschaft mit einem Mathematikstudium arbeiten kann. Haben Sie da einige Vorschläge?Dyam 16:28


    (a) Auch ein Studium der Wirtschaftsmathematik (Technomathematik usw.) ist primär ein Mathematikstudium. Insofern ist Ihre Beobachtung nicht untypisch.

    (b) Sie können in praktisch allen Bereichen der Wirtschaft arbeiten: Versicherungen, Banken, Consultingunternemen, Kommunikationsunternehmen, Softwareunternhmen, ... aber auch in allen anderen Bereichen und dort auch nicht nur in der Datenverarbeitung, sondern überall dort, wo es schwierige Probleme zu knacken gibt.


  • 5/3/2016 2:24:45 PM   Professor
    • Jörg Müller-Quade


    Sehr geehrter Prof. Müller-Quade, sehr geehrter Prof. Beutelspacher,

    wie sehen Sie die Möglichkeiten in der interdisziplinären Forschung zwischen Medizin und Informatik/Mathematik. Meiner Wahrnehmung nach beschränkt sich die medizinische Informatik größtenteils auf "Krankenhaus-Software" und med. Mathematik beschäftigt sich hauptsächlich mit Statistiken und der Auswertung von Studien. Ist es nicht denkbar, dass in der Zukunft nicht anhand mathematischer oder virtueller Modelle auch medizinische Probleme gelöst werden können (bspw. Therapieentscheidungen getroffen werden usw.) und gibt es da schon Ansätze?Johannes Nikolausam 15:39

    Hm, Genetik fällt mir hier ein. Hier gibt es großen Bedarf an Informatikmethoden und es kann bis hin zum automatischen Finden von Therapien gehen…Hier müsste man wahrscheinlich länger recherchieren, um eine umfassende Antwort zu geben...

    Aktualisierung: Zu
    dieser Frage hat ein Mitarbeiter von mir (der den Chat mitverfolgt) eine Ergänzung vorgeschlagen:

    Ein Anknüpfungspunkt zwischen Medizin und Informatik findet sich bei den sog. "augmented reality"-Anwendungen. So kann bspw. einem Operateur während der Operation zusätzliche Informationen eingeblendet werden oder bei Operationen am schlagenden Herzen, dass Herz als stillstehend simuliert werden um so exaktere Schnitte zu planen. Konkret am KIT gibt es die Nachwuchsgruppe "Computer-assisted Surgery", die sich mit derartigen Fragestellungen beschäftigt.


  • 5/3/2016 2:28:57 PM   Professor
    • Jörg Müller-Quade
    Hallo, ich habe gehört dass es für jeden Informatik Studenten fast ein Muss ist im Ausland gewesen zu sein. Würde Sie das unterschreiben und falls ja auf welchem Weg kommt man am besten an einen universitären Auslandsaufenthalt?Louisam 16:17

    Hm, ich habe den Eindruck, dass das ein allgemeiner Glaube ist, der zum Selbstläufer geworden ist… Aber, ein Auslandsaufenthalt bildet ja auch wirklich! Hier gibt es etwa das Erasmus Programm oder Stipendien des DAAD und häufig auch spezialisiertere oder lokale Möglichkeiten (also von der Uni oder Fakultät oder speziell für bestimmte Fachrichtungen).

    Dass der Auslandsaufenthalt schon im Studium zwingend ist, habe ich so nicht gehört, aber (insbesondere bei einer akademischen Karriere) sollte es schon irgendwann sein.

  • 5/3/2016 2:30:54 PM   Professor
    • Jörg Müller-Quade
    Welche Möglichkeiten hat man mit einem Schwerpunkt in theoretischer Informatik neben einer akademischen Laufbahn?Tam 16:17

    Das hängt davon ab, wie theoretisch Ihre Theorie ist. Mit Krypto-Kenntnissen oder als Experte für effiziente Algorithmen sind sie sicherlich gesucht. Falls Sie etwas sehr exotisches machen (Maschinenmodelle die mit unendlicher Präzision reelle Zahlen verarbeiten) müssten Sie vielleicht flexibler sein...

  • 5/3/2016 2:34:20 PM   Professor
    • Jörg Müller-Quade
    Gibt es gute Möglichkeiten sich das Wissen, was man im Bereich Informatik erhält, auch ohne Studium anzueignen?Christoph_mam 16:22

    Ohne die Infrastruktur, die über Prüfungen auch einen gewissen Zwang ausübt, benötigt man sehr große (übermenschliche?) Selbstdisziplin. Aber mit Bücher und Online-Vorlesungen, Interesse und einem strukturierten Vorgehen, sollte es so gut möglich sein, dass Sie sich kaum Autodidakt nennen dürfen ;-)
  • 5/3/2016 2:35:50 PM   Uwe Marx
    Schade, aber wir müssen unsere Experten wieder ihren Studenten und der Forschung überlassen. Herzlichen Dank an die Professoren Albrecht Beutelspacher und Jörn Müller-Quade - und an alle, die sich beteiligt haben. Den nächsten
    Uni-Chat auf FAZ.
    NET bestreiten am 17. Mai der Mediziner Ferdinand Gerlach
    (Frankfurt) und der Jurist Christoph Möllers (Berlin).


  • 5/3/2016 2:40:37 PM   Uwe Marx

    Für alle, die gerne etwas mehr über unsere beiden nächsten Experten erfahren würden:

    http://www.faz.net/aktuell/beruf-chance/uni-ratgeber/f-a-z-uni-ratgeber-professoren-geben-tipps-fuers-studium-13692345.html

Gesponsert von ScribbleLive Content Marketing Software Platform