Uni-Chat: Was soll ich studieren - Politik oder Soziologie?

Uni-Chat: Was soll ich studieren - Politik oder Soziologie?

  • 6/1/2016 1:50:48 PM   Uwe Marx
    Wir mussten leider den Uni-Chat nach kurzer Zeit aufgrund von technischen Problemen abbrechen. Wir bemühen uns, den bisherigen Chat nachträglich zur Verfügung zu stellen und die Professoren für eine Wiederholung zu gewinnen.
  • 6/1/2016 12:47:03 PM   Uwe Marx
    In wenigen Minuten startet der vierte Uni-Chat bei FAZ.NET - diesmal zu den Fächern Politik und Soziologie. Herzlich willkommen schon jetzt.
  • 6/1/2016 12:54:33 PM   Uwe Marx
    Heute stellen sich Karl-Rudolf Korte und Jutta Allmendinger im Uni-Chat Ihren Fragen.
     
    Karl-Rudolf Korte lässt wählen – und analysiert anschließend im Fernsehen, warum Parteien Erdrutschsiege gelingen oder herbe Wahlschlappen hinnehmen müssen. Der Politikwissenschaftler der Universität Duisburg-Essen gilt als einer der Erfinder der Bezeichnung „Jamaika-Koalition“. Ansonsten ist Korte (56) eher dem Ruhrgebiet verbunden.
     
    Jutta Allmendinger kennt sich mit Bildung und Lebensläufen aus. Ihr eigener führte die dynamische Soziologin über Amerika nach Nürnberg, wo sie Direktorin des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung wurde. Heute leitet Allmendinger, Jahrgang 1956, neben ihrer Professur an der Humboldt-Universität das Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung.
  • 6/1/2016 12:59:13 PM   Uwe Marx
    Wer mehr zu den Professoren wissen will:
     

    F.A.Z.-Uni-Ratgeber: Professoren geben Tipps fürs Studium

    FAZ.NETJedes Jahr stehen tausende Schüler vor den selben Fragen: Was soll ich nur studieren? Und wo? Hier verraten Deutschlands beste Professoren, wie es in den Hörsälen zugeht.
  • 6/1/2016 1:01:21 PM   Uwe Marx
    Zu Beginn eine Frage, die uns beschäftigt: Politik und Soziologie – sind das nicht beides klassische „Laberfächer“ mit denen man alles und nichts anfangen kann?
  • 6/1/2016 1:02:03 PM   Jutta Allmendinger
    Wenn man labern möchte, ist man in Soziologie wie Politikwissenschaften falsch. Wenn man sich ein breites Spektrum an beruflichen Möglichkeiten offen halten möchte, ist man genau richtig. Beide Fächer erfordern ein profundes Theorie- und Methodenwissen.
  • 6/1/2016 1:04:09 PM   Karl-Rudolf Korte
    Hallo Herr Korte,ich bin auf einem beruflichen Gymnasium mit dem Profil Sozialwissenschaften. Ergo habe ich Psychologie 6 stündig. Nun ist das auch meine Passion, nur einen Studienplatz zu ergattern, ist ziemlich schwierig. Als Alternative hatte ich an Politologie gedacht, da auch Politik seit Jahren eine wichtige Rolle für mich spielt. Könnte ich da etwas in der Verbindung zwischen Psychologie und Politologie finden? Wie stehen die späteren Berufschancen nach einem Politologie Studium? Was sind die Berufsfelder? Vielen Dank schon im Voraus! Mit lieben Grüßen Lara Kara

    -dramadig
    Psychologie und Politikwissenschaft passen immer besser zueineinder. Emotionen spielen seit mehreren Jahren auch für Politikwissenschaftler in der Forschung eine Rolle. Das Fach gleicht sich auch in diesem Punkt US-Standards an, die ohne die prekäre Vorgeschichte der Psychologie in  Deutschland offener mit dem Thema umgehen. Wer verhält sich wie und warum, um zu entscheiden? Wie mißt man leadership aus psychologischer Sicht. Gerade experimentelle Zugänge sind auch im Master Programm heute angesagt.
  • 6/1/2016 1:05:06 PM   Uwe Marx
    Über Facebook erreichte uns folgende Frage: Gibt es nicht schon zu viele Soziologen und Politologen? Wäre es daher nicht sinnvoller, etwas Technisches zu studieren?
  • 6/1/2016 1:05:48 PM   Jutta Allmendinger
    Für Soziologinnen und Soziologen gibt es nicht das eine Berufsfeld. Das war schon immer so. Neu ist aber, dass es immer mehr Bereiche gibt, in denen Soziologinnen und Soziologen wichtig und nachgefragt sind. Dies hängt an ihrer breiten Ausbildung und ihren Spezialisierungen im Rahmen ihrer Ausbildung. Und es hängt natürlich an dem Wandel des Berufssystems, wo immer mehr Tätigkeiten eine breite Ausbildung, ein analytisches Verständnis, ein gutes Sprach- und Schreibvermögen und eine komplexe Weltsicht erfordern. Im Übrigen spricht die niedrige Arbeitslosenquote von Soziologinnen und Soziologen für sich. Letzte Antwort: Zwischen Soziologie und Technik sollte man auch nicht den Gegensatz aufmachen. Techniker mit Soziologieverständnis und Soziologen mit Technikverständnis sind auf dem Arbeitsmarkt hoch gefragt. Das sieht man insbesondere im Bereich von Big Data.
  • 6/1/2016 1:07:01 PM   Karl-Rudolf Korte
    Niemals gibt es zu viele Sozialwissenschaftler ! Wir kennen hier keine arbeitslosen Politikwissenschaftler. An sehr vielen Schnittstellen kommen sie heute in allen Berufsbereichen vor. Wenn die Wirklichkeit für alle sozial konstruiert ist, dann brauchen wir immer mehr Akteure, die dekonstruieren können - das hat strategisches Potenial und Weitsicht.
  • 6/1/2016 1:15:32 PM   Uwe Marx
    Offenbar gibt es gerade technische Probleme. Danke für den Hinweis. Wir sind dran.
    Hallo, ich sehe vorige Kommentare nicht und kann auch nicht runterscrollen, ändert das bitte jemand?

    -Andrea
  • 6/1/2016 1:15:33 PM   Karl-Rudolf Korte
    Hallo Herr Korte,wie sehen Sie die Chancen, nach einem abgeschlossenen Politikwissenschaftsstudium, eine wissenschaftliche Karriere zu beginnen? Gibt es in diesem Bereich genügend Bedarf?

    -OliverBWeber
    Der wissenschaftliche Karriereweg ist im Hinblick auf Lehrstuhl-Stellen sehr transparent. Diese sind nicht mehr, sondern eher weniger in den letzten 10 Jahren geworden, dennoch ist es kalkulierbar. Den Weg, den die meisten wählen, ist die Anstellung über ein konkretes Forschungsprojekt - also nicht am Lehrstuhl. Solche Projektstellen sind unfaßbar vielfältig vorhanden, weil über Drittmittel sich heute Forschung und Sichtbarkeit im Wettbewerb definiert. Entweder man stellt selbst einen Forschungsantrag oder man bewirbt sich auf solche Stellen. Sie dienen in der Regel auch zur zeitgleichen Qualifizierung - i.d.R. über das Projektthema - mit einer Promotion. Wer sich darauf einläßt, findet viele solcher Stellen, sollte aber nicht daraus schießen, dass damit auch der Verbleib in der Wissenschaft gesichert ist. Es geht primär um die Promotion, die dann außerhalb der Uni beruflich zum Tragen kommt.
  • 6/1/2016 1:33:57 PM   Uwe Marx
    Leider gibt es gerade technische Probleme bei der Darstellung des Live-Chats. Wir sind dran.
     
  • 6/1/2016 1:34:35 PM   Uwe Marx
    Und wie sieht das bei den Soziologen aus?
  • 6/1/2016 1:34:48 PM   Jutta Allmendinger
    Es erweist sich heute als geringeres Problem, eine Promotion aufzunehmen und diese abzuschließen als nach der Promotion den Weg in eine unbefristete Beschäftigung in der Wissenschaft zu finden. Hier besteht der berühmte Flaschenhals: Da es nach wie vor zu wenige feste Stellen auch in den Sozialwissenschaften gibt. Das Professoren-Studierendenverhältnis ist nach wie vor unbefriedigend. Man kann hoffen, dass Bund und Land hier bessere Voraussetzungen schaffen. Nach wie vor gilt die Bezeichnung von Max Weber, "wissenschaftliche Karrieren sind ein Hazard". Man sollte es sich gut überlegen und man braucht viel Durchhaltevermögen.
  • 6/1/2016 1:35:53 PM   Karl-Rudolf Korte
    Herr Korte, an vielen Universitäten wird man dazu angehalten, neben dem Hauptfach Politikwissenschaft ein Nebenfach zu studieren. Welches können Sie dafür besonders empfehlen? Geschichte? Philosophie? VWL?

    -Oliver Weber
     
    Seltsame Konstruktion, weil die an früher erinnert: Magister im Hauptfach mit zwei Nebenfächern; der BA sollte immer sozialwisenschaftich breit angelegt sein; danach erfolgt der oft sehr spezifische Master - das stellt sich nicht die Frage von Begleitfächern.
     
     
  • 6/1/2016 1:38:12 PM   Jutta Allmendinger


    Hallo Frau Allmendinger, abgeschlossenes Soziologie Studium = zukünftiger Anwärter für ein Taxiunternehmen? Mal ehrlich, wer kann denn danach als was arbeiten? Klar, dass Sie ihr Studienfach anpreisen wollen, aber ich bin tatsächlich noch keinem jungen Studenten begegnet, das nach dem Studium in diesem Bereich arbeiten konnte.Andreaam 15:27


    Bei manchen Zuschreibungen muss man sich schon wundern, wie lange sie halten. Der taxifahrende Soziologe gehört den Siebzigern an. Nochmal: Es gibt nicht DEN Bereich, in dem Soziologinnen und Soziologen Arbeit finden. Es gibt viele, und zunehmend mehr. Man findet sie in NGOs, in Unternehmensberatungen, in der Politik, in Medienunternehmen, in der Privatwirtschaft, bei Marktforschungsinstituten, in Personalabteilungen, in der öffentlichen Verwaltung, und natürlich auch in der Wissenschaft wie im Wissenschaftsmanagement. Es sind im Übrigen genau diese Bereiche, die zunehmend an Bedeutung gewinnen. Dies liegt daran, dass der Koordinationsaufwand in unserer vernetzten Welt insgesamt höher wird.









  • 6/1/2016 1:38:22 PM   Karl-Rudolf Korte
    Hallo Herr Korte, wie bewerten Sie ein Politikstudium an einer Hochschule im Vergleich zu einem an einer Universität? Gibt es da Unterschiede, die zu beachten sind? In welchem Bereich empfehlen Sie Praktika, um einen guten Einblick ins Studium bzw.Berufsleben zu erhalten? Eine weitere Frage: hat man als Politikwissenschaftler Chancen bei Organisationen wie bei der UN zu arbeiten?Lieben Gruß,Hannah

    -Hannah Bonn
    Wenn sie in Duisburg dern Master Internationale Beziehungen und Entwicklungszusammenarbeit machen, haben sie sehr gute Chancen für viele Internationale Organsiationen. Ich rate zu Master Programmen, die einen inhaltliche klaren Focus haben und kein Sammelsurium darstellen - und niemals mehr als maximal 30 Teilnehmer mitmachen; solche Angebote findet man an mehreren Universitäten.
     
  • 6/1/2016 1:40:52 PM   Uwe Marx
    Wie ist das in der Soziologie, Frau Allmendinger?
  • 6/1/2016 1:41:07 PM   Jutta Allmendinger
    Das Fach Soziologie im traditionellen Sinn wird nur an Universitäten unterrichtet. Es ist stark theoriegeleitet, und integriert die Forschung. Fachhochschulen bieten eher angewandte sozialwissenschaftliche Fächer an, wie beispielsweise Soziale Arbeit, Sozialwissenschaften mit Schwerpunkt interkulturelle Beziehungen oder angewandte Gesundheitswissenschaften. Diese Teildisziplinen werden durchaus empirisch fundiert unterrichtet, das heißt, auch an FHs lernt man die entsprechenden sozialwissenschaftlichen Methoden.

    Nun zu der Frage nach den Praktika.
    An FHs bieten sich natürlich Praktika in den entsprechenden Einsatzbereichen an, so in Krankenhäusern, Jugendämtern, Alterheimen, im Bereich der Jugendhilfe, im Bereich der Datenerhebung. Praktika, die ein Soziologiestudium an Universitäten begleiten, sind ebenso sehr wichtig, sie dienen eher dazu, sich über die Vertiefungsgebiete klar zu werden, die man innerhalb der Soziologie wählen möchte. So kann man bei politischen Parteien, Stiftungen, privatwirtschaftlichen Einrichtungen, Medien erkunden, ob man sich in den jeweiligen Gebieten spezialisieren möchte. Solche Praktika helfen bei der Wahl des vertiefenden Master-Studiengangs, und natürlich auch bei der Bewerbung um entsprechende Positionen.
  • 6/1/2016 1:53:18 PM   Karl-Rudolf Korte
    Guten Tag, wie stehen die Chancen als Politikwissenschaftler im Bereich Journalismus Karriere zu machen ?

    -Jakob
    Als Parlamentskorrespondent, in allen Bereichen des Zeitungsbuches "Politik" - ganz sicher geeignet vor dem Hintergrund der Fachexpertise; aber ich sehe im Moment nicht wirklich viele Stellen im Kontext der Medien - eher im Bereich der Agenturen, auch im Bereich von Public Affairs der Interessenorganisationen. 
  • 6/1/2016 1:53:21 PM   Uwe Marx
    Wie ist das bei den Soziologen?
  • 6/1/2016 1:53:28 PM   Jutta Allmendinger
    Die Chancen stehen sehr gut. Man muss nur wissen, dass ein Soziologiestudium als solches nicht ausreicht. Man braucht insbesondere auch Erfahrung. Journalismus ist ein gutes Stuück learning by doing. Natürlich auf der Basis des absolvierten Studiums. Gerade die breite Palette von Ressorts: Wirtschaft, Gesellschaft, Politk, Medien, Kultur zeigt, wie notwendig ein soziologisches Basiswissen ist.
  • 6/1/2016 1:53:41 PM   Karl-Rudolf Korte
    Sind Sie informiert über den Studiengang IRM (international relations and management) an der OTH Regensburg? Falls ja, inwieweit entspricht dort der politische Teil des Studiums den Lehrinhalten eines""normalen"" Politikwissenschaftsstudiums? Würden Sie ihn als gute Alternative bezeichen? Schwanke momentan zwischen den beiden Studiengängen...

    -Hannah Bonn
    Mir liegen keine Infos über Regenburg vor.
     
  • 6/1/2016 1:54:10 PM   Karl-Rudolf Korte
    Lieber Herr Karte,Nachdem man das Studium in Politikwissenschaften in Deutschland beendet hat, wie stehen die Chancen im Ausland (z.B. Australien) einen Job zu bekommen? Und welche Richtung in Politikwissenschaft sollte man dafür einschlagen?

    -Dominik
    Ich würde immer Master anstreben, die im Bereich der IB angesiedelt sind und i.d.R. Pflichtauslandsjahre beinhalten - so kann man Auslanderfahrung und Studium sehr gut kombinieren; mit einem Bologna Abschluß im IB Bereich - natürlich mit der entsprechenden Fremdsprache - sind Anstellungen im Ausland sehr gut möglich.
  • 6/1/2016 1:54:58 PM   Karl-Rudolf Korte
    Herr Korte, welche Beispiele gibt es für die Berufsperspektiven eines studierten Politologen?

    -Oliver Weber
    Universität/Hoschule; private und öffentliche und soziale Dienstleistungsbranche , Medien, öffentlicher Dienst, jede denkbare nationale und internationel Organisation, Gewerkschaften, Verbände, NGOs und natürlich im extrem politknahen Bereich der vielen Landtage, Bundestag, Europaparlament und der entsprechenden Regierungs-Ressorts...
Gesponsert von ScribbleLive Content Marketing Software Platform