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  • 2/16/2018 8:14:46 AM   Jan Grossarth

    Eine neue Software soll die Böden entgiften

    Chemischer Pflanzenschutz ist ein Grund dafür, dass die Ernten auf der Welt seit Jahrzehnten steigen. Vergiften aber chemische Pestizide auch die Menschen und Böden? Die Vergiftung ist zwar ein vages Konzept, aber in mancher Hinsicht stimmt es: Die Wissenschaft Ökotoxikologie zum Beispiel untersucht, welche Schadwirkungen für ganze Ökosysteme durch Pestizide und die Kombination mehrerer Wirkstoffe in den Böden entstehen können. Auch durch den biologischen Abbau von Pestiziden reichern sich im Boden Rückstände an, die teilweise toxisch auf Bodenorganismen wirken.

     

    Während die Partei die Grünen den Pestizidausstieg anvisiert, geht es in der Praxis darum, verträgliche Lösungen zu finden. Dafür gibt es Vorhersagemodelle, die auf wissenschaftlichen Studien und Daten beruhen. Doch sie sind noch kaum zuverlässig. Das Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung hat jetzt ein neues, angeblich besseres Modell entwickelt. Die Forscher programmierten mit Wissenschaftlern der Technischen Universität Dänemark ein Modell, das die Bildung für den Boden und die Ökosysteme giftiger Rückstände genauer vorhersagen kann. Dies aber sei notwendig, ,,wenn eine möglichst realistische Abschätzung der Gefährdung erfolgen soll", wurde Professor Matthias Kästner, ein Umweltbiotechnologe von Helmholtz, zitiert. 

     

    Das Programm analysiert die chemische Struktur des jeweiligen Pestizids und die Interaktion mit Bodenbakterien. ,,Da Mikroorganismen sich prinzipiell von allem ernähren, was ihnen Energie liefert, können ihnen auch Schadstoffe wie Pestizide als Nahrungsquelle dienen", sagt Kästner. So lässt sich erfahren, welche Giftbelastung nach und durch den biologischen Abbau des Pestizids verbleiben. Mit dem Modell sollen künftig auch Behörden wie die Europäische Chemikalienagentur arbeiten. Sie berücksichtigt die Menge und Art der sogenannten ,,nicht extrahierbaren Rückstände" in ihrem Zulassungsprozess. Die Studie ist in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins Environmental Science and Technology erschienen.

  • 2/12/2018 8:54:45 AM   Jan Grossarth
    Kenia muss mehr Zucker importieren
    Wegen einer Trockenheit fällt die Zuckerproduktion in Kenia deutlich - von 300.000 auf 200.000 Tonnen. Von dieser Prognose für das Erntajahr 2017/18 (bis Juni) berichtet die Agentur Bloomberg. Kenia habe seine Zuckerimporte zuletzt verdreifacht. Die allerdings werden günstiger. Der Preis für Zucker am Weltmarkt ist seit Sommer 2016 um rund 40 Prozent gesunken. Die EU hatte ihre Produktionsquoten abgeschafft. Kania hatte noch 2015 seine Zuckererzeugung auf einen Rekordstand von 632.000 Tonnen gesteigert. Im Weltmaßstab ist das Land aber kein bedeutender Hersteller von Rohrzucker. Dies sind Brasilien, Indien, Thailand und Pakistan.
     
  • 2/5/2018 6:55:14 PM   Joachim Müller-Jung

     

    Weinreben lässt Trockenheit (vorerst) kalt

    Santé! Freunde hochwertiger Weine müssen sich um die Zukunft ihrer Lieblingsgewächse in den zunehmend von Dürren gefährdeten  Anbaugebieten fürs Erste nicht sorgen. Offenbar sind Weinreben grundsätzlich weniger anfällig für Trockenheit als gedacht. Das lässt sich jedenfalls aus den Ergebnissen einer mehr als zehnjährigen Studie ableiten, über die französische und amerikanische Wissenschaftler in derZeitschrift „Science Advances“ berichten.

    Die Forscher des französischen nationalen Agrarforschungsinstituts INRA haben zusammen mit Agronomen aus St. Helena  in Kalifornien die physiologischen Veränderungen von Reben im Freiland sowie in Gewächshausversuchen untersucht. In der Region des Bordeaux und im Napa Valley wurden vier Rebsorten unter die Lupe genommen:
    Grenache, Syrah, 110 Richter und Gloire de Montpellier.
    Für Vitis vinifera, die Weinrebe, gilt ähnliches wie für
     andere Nutzpflanzen auch. Anhaltender Trockenstress kann zu gefährlichen Luftblasen in den Leitbahnen der Pflanzen führen, angefangen in den Blattadern, wo der Wasserstrom unterbrochen wird.

    Das Auftreten solcher „Embolien“ hängt nicht nur von der Wasserversorgung ab, sondern auch von der Architektur der Blätter. Offenbar sind die Weinblätter da  im Vorteil. Den Forschern zufolge wurden die Reben auch bei einem forcierten Trockenstress nicht stark geschädigt. „Embolien“ jedenfalls seien eher selten zu erwarten“ unter den sich verschlechternden Bedingungen des Klimawandels. In den Gewächshaus-Testsystemen brach  jedenfalls in keinem Fall die Wasserleitung der Reben vollständig zusammen.


     
  • 2/5/2018 6:52:58 PM   Joachim Müller-Jung

    Weintrauben im Napa Valley. Foto AP

  • 2/1/2018 11:43:56 AM   Joachim Müller-Jung
    Auch Allerweltsinsekten müssen weichen

    Das Insektensterben in der Agrarlandschaft  trifft keineswegs nur spezielle Insekten mit sehr speziellen Bedürfnissen, sondern offenkundig auch die "Generalisten" - Arten also, die relativ geringe ökologische Ansprüche an ihr Habitat haben und deshalb eigentlich auch als  tolerant  im Hinblick auf Vegetation und Umweltbelastung  gelten. Das deutet darauf hin, dass die Verschlechterung der Lebensbedingungen in vielen Agrarlandschaften schon recht  weit fortgeschritten ist. So interpretieren jedenfalls der Senckenberg-Forscher Thomas Schmitt vom SDEI (Senckenberg Deutsches Entomologisches Institut Müncheberg) und
    Jan Christian Habel von der TU München die Ergebnisse einer Untersuchung, die sie in der Zeitschrift "Biological Conservation" veröffentlicht haben.

    Gerade die "Allerweltsarten" benötigen den genetischen Austausch zwischen unterschiedlichen Populationen, denn nur mit genetischer Vielfalt sind sie in der Lage, sich an grenzwertige Lebensbedingungen anzupassen. Diese Vielfalt geht aber nach Überzeugung der Wissenschaftler in der modernen, häufig monotonen Agrarlandschaft durch Verinselung zunehmend verloren. Ein ökologisches Drama in mehreren Akten: Anfang sind es Spezialisten wie der Rote Apollo Falter, die ihre Lebensgrundlagen verlieren, später der anspruchslose Perlgrasfalter. 
  • 2/1/2018 11:42:58 AM   Joachim Müller-Jung

    Roter Apollo (Parnassius apollo)

  • 1/30/2018 2:31:38 PM   Jan Grossarth
    Indien: Kleinbauern könnten ein Viertel ihrer Einkommen wegen des Klimawandels verlieren

    Zunehmende Trockenheit gerade in den Entwicklungsländern des Südens bedroht die wirtschaftliche Existenz von Hunderten Millionen Kleinbauern. Auch Indiens etwa 120 Millionen Landwirte und Kleinbauern drohen in den kommenden Jahrzehnten drastische Einbußen an Ernten und Einkommen. Der Klimawandel könnte die Einkommen der Bauern „mittelfristig um 20 bis 25 Prozent“ verringern, heißt es im Wirtschaftsausblick des indischen Finanzministeriums, der am Montag veröffentlicht wurde.

    Dabei seien die negativen Folgen – wie längere Trockenzeiten – in Indien schon heute deutlich spürbar, heißt es weiter. Deshalb müsste es in Zukunft „dramatische“ technische Verbesserungen, etwa der künstlichen Bewässerung, und auch wirksamere und mehr Düngung geben. Würden die Einkommen der Bauern in nicht künstlich bewässerten Regionen um bis zu 25 Prozent fallen, so sei für die mit Pumpen und Sprinklern ausgestatteten Farmer nur ein Rückgang von 15 bis 18 Prozent zu erwarten.

    Die Regierung hatte sich das Ziel gesetzt, das Einkommen der Bauern zu verdoppeln. Knapp die Hälfte des Ackerlandes Indiens wird künstlich bewässert. Damit die Grundwasserpegel infolge der zunehmenden Bewässerung nicht fallen, sollen moderne Techniken wie die Tröpfchenbewässerung aus Kunststoffschläuchen zum Einsatz kommen, wie sie etwa die israelische Firma Netafim vertreibt. Auch schreibt die Regierung, dass die Farmer Zugang zu Versicherungen brauchten, um sich gegen schwankende Ernten abzusichern. Den Vereinten Nationen zufolge werden Bauern in Entwicklungsländern die Verlierer des Klimawandels sein: Während Kanada, Finnland oder Norwegen im Jahr 2080 sogar gut 50 Prozent mehr Getreide ernten dürften, müssten Marokko, Ägypten, aber auch Spanien oder Südkorea ebensolche Rückgänge erwarten.

    (Illustration Rhonald Bloomstijn)
     
  • 1/25/2018 2:54:19 PM   Jan Grossarth

    In Deutschland startet die bio-vegane Landwirtschaft

    Biolandwirte gibt es in Deutschland viele, knapp zehn Prozent aller Bauern oder 25.000 – sie ackern für Demeter, Bioland, Naturland, Aldi oder Lidl. Bio-veganer Ackerbau aber ist eine Idee für die Zukunft. Denn anders als die anderen Bio-Höfe, die gerade organische Kreisläufe von Tier-Düngung und darauf basierender Pflanzenzucht als ein Kernprinzip haben, will der vegane Biobauer ohne tierischen sowie ohne chemisch synthetisierten Dünger auskommen. Die ersten zwei Höfe, die nach dieser Art wirtschaften, seien nun zertifiziert worden, teilte die Albert-Schweitzer-Stiftung, die sich für eine vegane Lebensweise einsetzt, am Donnerstag mit.
    Die Höfe in Baden-Württemberg sowie Rheinland-Pfalz dürften sich nun des „biozyklisch-veganen Anbaus“ rühmen, so die Stiftung. Nach Schilderung des zertifizierenden Vereins Biozyklisch-Veganer Anbau e.V. handelt es sich bei dieser Ackerbauart „um einen kreislauforientierten Ökolandbau, der vor allem mithilfe von Kompostierung, Mischkulturen, Mulchen und vorbeugender Schädlingskontrolle durch Nützlingshabitate ermöglicht, nachhaltig und effizient gesunde Lebensmittel ohne Antibiotikarückstände zu erzeugen“.  Die Betriebe  schlössen  jeden Einsatz von Nutztieren zu  aus, auch von der Düngung mit Hornspänen  oder Blut- und Knochenmehl. Es gilt durchaus als eine Herausforderung, mit nur pflanzlicher Düngung so zu wirtschaften, dass die Böden nicht verarmen. Wo die beiden Gemüsehöfe ihre Ernten verkaufen, ging aus der Meldung der Stiftung nicht hervor.
  • 1/24/2018 1:30:01 PM   Jan Grossarth

    Russland wird als Getreideexporteur immer wichtiger

    Russlands Getreideexport wird in der Handelssaison 2017/18 (Juli) voraussichtlich einen Rekord erreichen. Vor allem wegen großer Weizenexporte übertreffen die russischen Ausfuhren diejenigen der EU und Vereinigten Staaten, so das amerikanische Landwirtschaftsministerium USDA. Auf Russland entfällt allein ein Fünftel des Weltgerstenhandels. Die Gerste geht vor allem nach Saudi-Arabien und Iran, wo sie Ziegen oder Schafen oder Kamelen verfüttert wird; Mais wird hier zu Geflügelfutter. Die Lage Russlands mit seinen zunehmend gut ausgebauten Schwarzmeerhäfen werde immer mehr zum  Vorteil gegenüber den entfernteren Lieferländern, so das USDA - von hier geht das Getreide schließlich schnell nach Nahost, Ägypten, wo die Nachfrage stark wächst, aber auch zunehmend nach Asien. Noch Anfang der 2000er Jahre, so das USDA, war Russland Nettoimporteur von Getreide und galt als unzuverlässiger Lieferant. Die Ernten nahmen seither stark zu.
    (Quelle USDA 2018)
     
  • 1/23/2018 9:37:07 AM   Jan Grossarth

    Bayer gibt Kleinbauern Prepaid-Karten, damit sie auf Dünger sparen können

    Bayer, einer der größten Chemiekonzerne der Welt, investiert in Sparkonten für afrikanische Kleinbauern. Dadurch sollen sich diese künftig Dünger und Saatgut leisten können, zum Beispiel auch von Bayer. Weil afrikanische Kleinbauern in der Regel keinen Zugang zu Krediten und auch kein Bankkonto haben, soll in Mali und Senegal ein Start-Up mit dem Namen ,,My Agro" den Bauern das Sparen via SMS-Nachrichten ermöglichen. Das Start-Up ist vom Bayer-Konzern unabhängig. Mobiltelefone seien in der Landbevölkerung von Mali und Senegal weit verbreitet, erklärte Bayer am Dienstag.
     
    Per SMS könnten die Bauern Kleinstbeträge von ab einem Dollar auf das Konto überweisen. Durch das Sparen und den Kauf ,,hochwertige[r] Produkte" erhöhten die Bauern die Erträge um durchschnittlich 50 bis 100 Prozent, so der Konzern. Die Bauern dürfen, erklärte eine Sprecherin auf Nachfrage, von dem Sparkonto auch Düngemittel lokaler oder anderer internationaler Konzerne kaufen, oder selbst Luftballons, was man aber nicht hoffe. ,,Sie sind völlig frei. Das ist eine reine Spende und hat keinen Business-Impace für uns", sagte die Bayer-Sprecherin am Dienstag.
    (Foto: Bayer)
  • 1/22/2018 10:57:30 AM   Jan Grossarth

    Die Ernährung von Millionen Ägyptern
    hängt immer stärker vom Getreideimport ab

    Ägypten, das bevölkerungsreiche Land der arabischen Welt, ist zunehmend abhängig von Getreidelieferungen aus Russland, der EU oder den Vereinigten Staaten. In den vergangenen Tagen zeigte sich an den Weltgetreidemärkten, dass sich die Abhängigkeit Ägyptens vom russischen Getreide abermals erhöhte. In der bisherigen Handels- und Erntesaison 2017/18 (ab Juli) habe Ägypten schon 45 Prozent mehr Weizen importiert als im Vorjahr, hat die Agentur Bloomberg errechnet. In der vergangenen Woche sicherte sich die staatliche Getreideeinkaufsagentur 295.000 Tonnen Weizen aus Russland, die in den letzten beiden Februarwochen geliefert werden sollen.Ägypten ist der größte Käufer von Weizen auf der Welt. Laut Bloomberg vereint es in dieser Saison schon rund 80 Prozent aller weltweiten Getreidekäufe auf sich.
    Laut der Agrarbehörde der Vereinten Nationen (FAO) ernähren sich 65 oder 80 Prozent der Bevölkerung großteils von staatlich stark subventionierten Weizensorten (,,Baladi“). Die ägyptische Bevölkerung bezieht rund die Hälfte der Kalorien durch den Konsum von Weizen und Mais. Staatliche Lager fassen rund 3 Millionen Tonnen Getreide. Von Jahr zu Jahr steigen die Importe von Getreide, die Ernten im Inland aber stagnieren (Quelle: FAO):
     
     
     
    Auch Saudi-Arabien ist in hohem Maß vom Getreideimport abhängig. Das Land kaufte am Weltgetreidemarkt in der vergangenen Woche eine Millionen Tonnen Futtergerste, meldet Bloomberg. Die größten Lieferanten sind der australische Getreidehandelskonzern Grain Corp und die britische Holbud Ltd. Von Februar bis März soll die Gerste in zehn Schiffsladungen in den saudischen Häfen am Roten Meer ankommen, sechs weitere in Häfen am Arabischen Golf. Japan kaufte zuletzt 91.000 Tonnen Mehlweizen.
     
    Hier im Welternährungs-Ticker geht es um die internationalen Ernten, den globalen Lebensmittelhandel - er bündelt Nachrichten bezüglich der Frage, wer wen ernährt und wovon wir uns. Die Agentur Bloomberg wertet in jeder Woche die größten internationalen Getreide-Geschäfte der Welt aus. Oft stehen staatliche Käufer auf der einen Seite, und internationale Handelskonzerne auf der anderen. Insbesondere sind arabische und Maghreb-Staaten, Südkorea oder Japan auf Getreideimporte angewiesen.
  • 1/20/2018 2:34:52 PM   Tatjana Heid

    In Berlin haben am Samstag nach Polizeiangaben mehrere Tausend Menschen für eine Agrar- und Ernährungswende demonstriert. Zu der Demonstration unter dem Motto „Wir haben es satt!“ hatte ein Bündnis aus rund 100 Umwelt-, Verbraucher-, Landwirtschafts- und Entwicklungsorganisationen aufgerufen. Zu dem jährlichen Protestmarsch kamen auch zahlreiche Bauern mit rund 100 Traktoren in die Bundeshauptstadt. Anlass war der Beginn der „Grünen Woche“, eine der weltweit größten Leistungsschauen der Agrarbranche.

    Im Mittelpunkt der inzwischen achten „Wir haben es satt!“-Demonstration stand die Kritik am Einsatz von Glyphosat in der Landwirtschaft. Das Unkrautvernichtungsmittel habe verhängnisvolle Konsequenzen für Menschen, Tiere und Umwelt, erklärten Umwelt- und Verbraucherverbände. Zudem forderten die Demonstranten eine regionale und nachhaltige Ernährungspolitik sowie eine artgerechte Tierhaltung.

    Nötig sei eine grundlegende Reform der europäischen Agrarpolitik, betonte Georg Janßen, Bundesgeschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft: „Diejenigen, die umwelt- und klimaschonenden Ackerbau betreiben und Tiere artgerecht halten, müssen durch Direktzahlungen unterstützt werden, nicht wer am meisten Flächen besitzt.“

  • 1/19/2018 12:12:55 PM   Hanna Decker
    Über fairen Handel reden viele - getan wird (noch) relativ wenig. Jetzt fordert Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) von der öffentlichen Verwaltung voranzugehen. "Unsere Rathäuser, die Krankenhäuser, der öffentliche Dienst, auf den Polizeistationen - da sollte morgen umgestellt werden auf fairen Kaffee", forderte Müller am Freitag auf der Agrarmesse Grüne Woche in Berlin. "Sie können tausenden Familien vor Ort damit helfen."
     
    So genannte fair gehandelte Produkte, deren Anbieter besonderen Wert auf gerechte Löhne und bessere Arbeitsbedingungen in den Herkunftsländern legen, bilden in Deutschland trotz starken Wachstums noch eine Marktnische. "Unser Luxus darf nicht der Hunger und die Armut der Menschen in Afrika sein", sagte Müller.
     
    Heute kauften die Deutschen zwar 50 Prozent fair gehandelten Kakao, beim Kaffee liege die Quote aber nur bei 10 Prozent, und bei Baumwolle stehe man noch am Anfang. "Ein Kilo Kaffee kostet bei uns zwischen acht und zehn Euro, bei den Menschen in Afrika bleiben davon 50 Cent. Das ist zu wenig", erklärte Müller.
  • 1/18/2018 9:04:51 PM   Jan Grossarth

    Algerien will nicht mehr nur vom Ölexport abhängen. Die Regierung kündigte an, den Landwirtschaftssektor zu entwickeln, und das amerikanische Agrarministerium sieht Chancen für amerikanische Saatgutkonzerne (wie Monsanto) oder andere Konzerne, sich hier Marktanteile zu sichern. 8,4 Millionen Hektar fruchtbares Land gebe es hier, jeder fünfte Algerier jenseits der Städte lebe von der Landwirtschaft.

  • 1/18/2018 6:01:04 PM   Jan Grossarth

    Das deutsche Agribusiness jammert
    und wird immer mächtiger

    Das deutsche Agribusiness wachse weiter kräftig, berechnet die Beratung EY zu Grünen Woche - obwohl die eigene Darstellung der Lage, im Falle der Fleischindustrie stets „sehr kritisch“ ausfalle, bemerkt EY. Dem Umsatz nach steigerte das gesamte Agribusiness in 2017 seinen Umsatz um 3,4 Prozent auf 225,7 Milliarden Euro. Das sei ein „Rekordumsatz“, schreibt EY, das Agribusiness profitierte „insbesondere von den anziehenden Preisen für Nahrungsmittel“ auf der Welt.
     
     
    Und wer ist das, dieses Agribusiness? Die bedeutendsten Teilbranchen: die Lebens- und Futtermittelindustrie mit Konzernen wie Nestlé, Baywa oder Raiffeisen-Genossenschaften, die Landtechnikbranche (etwa Claas), die Saat-, Pestizid- und Düngerkonzerne, wozu etwa KWS Saat, BASF oder Bayer zählen.  Innerhalb der Ernährungsindustrie war die – klagende – Fleischwirtschaft mit Tönnies, Vion oder Westfleisch ist die umsatzstärkste Branche (23,2 Milliarden Euro Umsatz oder 7,6 Prozent mehr als im Vorjahr). Für die wird auch der Großteil des Getreides geerntet. Traktoren und Maschinen sind gefragt, in Russland oder Amerika oder Asien: Die Landtechnikindustrie legte laut VDMA um etwa 6,4 Prozent zu. Afrika ist kein bedeutender Käufer. (Illustration Rhonald Bloomstijn)
     
     
     
  • 1/18/2018 6:00:19 AM   Jan Grossarth
  • 1/17/2018 3:46:37 PM   Jan Grossarth

    Was dieser Ticker soll

    Das Projekt ,,Race to Feed the World" der F.A.Z. startet, im Netz und in der Zeitung. Was bezwecken wir damit? Wir wollen herausfinden und anschaulich machen, woran die Welternährung hängt, und wie mehr Nahrungsmittel produziert werden können. Und zu welchem Preis. Welche Länder welche anderen versorgen, wie groß die Abhängigkeiten von Konzernen oder natürlichen Ressourcen sind. Es geht darum,  viele Facetten und Aspekte der komplizierten Thematik an konkreten Orten sichtbar und erfahrbar zu machen. Auf der Seite faz.net/feedtheworld gibt es im ganzen Jahr Reportagen, Analysen, Visualisierungen oder Essays.
     
     
     
    Die Frage der Welternährung ist nicht nur eine existentielle, sondern auch ein vages und von vielen politischen und wirtschaftlichen Interessenseiten instrumentalisiertes Konzept. Die Agrarindustrie sagt zum Beispiel, sie ernähre die Welt, und ,,Brot für die Welt" sagt, das täten die Kleinbauern.
     
    Wir schauen es uns, so gut es geht, konkret an: Wie genau kann die stark wachsende Weltbevölkerung versorgt werden? Die Leute essen schließlich auch immer mehr Fleisch. Die globalen Ernten werden in den kommenden Jahren und Jahrzehnten auch deswegen, deutlich steigen müssen, um fast fünfzig Prozent bis 2050, sagen die Vereinten Nationen voraus. Wir schauen exemplarisch in diesem einem Jahr, 2018, wie es auf dem Weg vorangeht oder zurück: Auf den globalen Handel, Ernten und Dürren, in die Wissenschaftslabore, auf die Banken, die am Agribusiness verdienen. Auf die Folgen für die Menschen, die nicht viel haben. In diesem Liveticker veröffentlichen wir die vielen kleinen News, die uns auffallen: über Studien und Züchtungen, Dürren und Fluten, Getreidehandel und die Agrarfinanzmärkte.
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