Schach-WM

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  • 11/27/2018 1:08:44 PM   Tobias Rabe
    Magnus Carlsen oder Fabiano Caruana? Wer wird Schach-Weltmeister 2018? Nach zwölf Remis in den zwölf Partien fällt nun die Entscheidung im Tie-Break. Stefan Löffler ist vor Ort in London und wird an dieser Stelle am Mittwoch von 16.00 Uhr MEZ an live berichten über die Entscheidung!
  • 11/28/2018 2:26:01 PM   Stefan Löffler
    Um 16 Uhr geht´s los.
  • 11/28/2018 2:49:02 PM   Stefan Löffler
    Gleich geht das Stechen los. Viel mehr Kamerateams als an den normalen Spieltagen sind da. Die Plätze im Presseraum waren eineinhalb Stunden vor der Partie restlos besetzt. Es gab Unmut unter den Fotografen: Angeblich dürfen nur zehn von ihnen zu Beginn der ersten Schnellpartie hinein in den verglasten Spielraum, um Aufnahmen zu machen.
     
    Vier Partien Schnellschach erwarten uns erstmal. 25 Minuten hat jeder Grundzeit, außerdem 10 Sekunden pro Zug. Carlsen hat in der ersten und dritten Partie Weiß, Caruana in der zweiten und vierten. Das ist wahrscheinlich ein kleiner Vorteil für Carlsen. Ähnlich wie es beim Elfmeterschießen ein Vorteil ist anzufangen, weil man dann normalerweise in Führung geht und das andere Team erstmal ausgleichen muss, gilt beim Schach: Erst Weiß zu haben erhöht die Chancen, in Führung zu gehen und danach auf Sicherheit spielen zu können.
  • 11/28/2018 2:57:52 PM   Stefan Löffler
    Carlsen ist der Favorit, das denken praktisch alle, die Frage ist: wie deutlich. Carlsen hat seit zehn Jahren kein Stechen mehr verloren. Er war Weltmeister im Schnellschach und im Blitzschach. Er führt die Schnellschach-Weltrangliste an. Und er führt die Blitzschachweltrangliste an.
     
    Caruana dagegen ist im Schnellschach die Nummer zehn, im Blitzschach sogar nur die Nummer achtzehn der Welt. Dieses Jahr hat er drei hochrangige Schnell- und Blitzturniere gespielt. In Leuven und Paris wurde er jeweils Vorletzter unter zehn Teilnehmern. Danach war er im Trainingslager in Missouri. Dort hat er wahrscheinlich für Schnellschach trainiert. Sein kubanischer Sparringpartner Leinier Dominguez ist sehr stark im Schnellschach und in dieser Disziplin die Nummer drei der Weltrangliste. Anschließend im August in Saint Louis spielte Caruana schon weit erfolgreicher als vorher. Im Schnellschachteil fehlte ihm nur ein halber Punkt zum ersten Platz. Im Blitzen landete er immerhin im Mittelfeld. Ende August musste Caruana dann in ein Stechen um einen Platz im Finalturnier der Grand Chess Tour. Da schlug Caruana seinen amerikanischen Teamkameraden Wesley So im Schnellschach. Also auch im Schnellschach gilt, dass die Formkurve des Amerikaners nach oben geht. 
     
  • 11/28/2018 3:01:00 PM   Stefan Löffler
    Der populäre Schachserver chess.com hat eine Umfrage gemacht, wer das Stechen gewinnt. 75,7 Prozent stimmten für Carlsen, immerhin aber auch 24,3 Prozent für Caruana.
     
  • 11/28/2018 3:04:11 PM   Stefan Löffler
    Die erste Partie läuft. Carlsen eröffnet mit 1.c4 und überrascht nach 1. ... e5 2. Sc3 Sf6 3. g3 Lb4 mit 4. e4. Eine spezielle Vorbereitung fürs Schnellschach, sagt Judit Polgar, die offizielle Hauptkommentatorin. Es ist ein umgekehrtes Rossolimo auf dem Brett. Carlsen spielt also mit Weiß eine Eröffnung, die er dreimal in Schwarz auf dem Brett hatte, mit einem Zug mehr.
  • 11/28/2018 3:15:50 PM   Stefan Löffler
    Hier einige Websites, von denen man die Stichpartien folgen kann:
     
    Sesse (der norwegische Supercomputer)
     
    Sesse gefällt die weiße Stellung, obwohl Caruana erstmal einen Bauern mehr hat. Carlsen hat das Läuferpaar, der Springer a4 schaut die Schwächen auf b6 und c5 an und bekommt gleich Unterstützung vom schwarzfeldrigen Läufer. 
  • 11/28/2018 3:21:52 PM   Stefan Löffler
      So steht es nach 13 Zügen.
     
    Carlsen hat die Damen getauscht, das Läuferpaar, die gesündere Bauernstellung, aber Caruana hat auf c4 erstmal einen Bauern mehr. Einfacher zu spielen ist die Stellung für Weiß. Auf der Uhr sind beide etwa gleich.
     
  • 11/28/2018 3:44:04 PM   Stefan Löffler
    Caruana ist jetzt in großen Schwierigkeiten. Carlsen denkt lange nach. Er fühlt wohl, dass ein Gewinn für ihn drin ist. Aber er muss verhindern, dass Schwarz in ein Dauerschach entkommt mit einer Batterie von Turm auf der zweiten Reihe und Springer, der auf f3 und h2 Dauerschach gibt.
  • 11/28/2018 3:47:27 PM   Stefan Löffler
    Das ist die Stellung, in der Carlsen schon mehr als die Hälfte seiner restlichen Bedenkzeit verbraten hat.
    24. Txd4 Kf7 25. Kh1 ist laut Computer für einen klaren Vorteil gut.
     
     
  • 11/28/2018 3:53:27 PM   Stefan Löffler
    Carlsen hat sich in der vorigen Stellung für eine andere Abwicklung entschieden: 24. Lxc4+ Kf8 25. Txd4 Ke7 26. Txd7+ Txd7 27. Lxd7 Kxd7. Nun haben wir ein Turmendspiel. Carlsen hat einen Bauern mehr, doch Schwarz hat den aktiveren Turm. Gute Remischancen also für Caruana, der in dieser Partie wahrscheinlich schon in größerer Verlustgefahr war.
  • 11/28/2018 4:04:03 PM   Stefan Löffler
    Das sieht verloren für Caruana aus. Zwei weiße Freibauern gegen einen schwarzen, und der aktivere weiße Turm steht goldrichtig hinter dem schwarzen Freibauern. Carlsen gewinnt, sagt auch Judit Polgar.
  • 11/28/2018 4:08:21 PM   Stefan Löffler
    Technisch gewonnenes Turmendspiel: Caruana hat noch einige Züge gekämpft, aber gerade aufgegeben.
     
     
  • 11/28/2018 4:18:38 PM   Stefan Löffler
    Caruana bleiben drei Partien, um den Rückstand auszugleichen und eine Verlängerung zu erzwingen oder das Match sogar zu wenden. Aber das wird gegen Carlsen sehr, sehr schwer. Zumal der in ausgezeichneter Laune zum Stechen gekommen ist, wie das Foto von Mike Klein von Chess.com zeigt: 
     
  • 11/28/2018 4:22:38 PM   Stefan Löffler
    Zweite Partie. Carlsen bleibt beim Sizilianer, und Sweschnikow ist wieder auf dem Brett. Der Springer geht im 8. Zug wie in der 12. Matchpartie nach e7. Carlsen weicht als erster ab mit 11. ... Db8 (statt 11. ... Lf5) und schickt gleich danach seinen a-Bauern auf die Reise. Eine volle Partie mit Action auf beiden Flügeln steht an. Aber erstmal sieht es so aus, als sei Carlsen besser vorbereitet.
  • 11/28/2018 4:25:09 PM   Stefan Löffler
    Beide haben die Eröffnung sehr schnell gespielt. Hier zog Caruana 17. g3, und Carlsen denkt nun länger nach.
     
     
  • 11/28/2018 4:32:14 PM   Stefan Löffler
    Dieses Mal mag der norwegische Supercomputer Sesse Caruanas Stellung, sieht Weiß fast eine Bauerneinheit vorne nach der Eröffnung. Carlsens vorgepreschte Randbauern sind anfällig. Auch die Mimik des Titelverteidigers sieht so aus, als ob ihm seine Stellung nicht ganz behagt.
  • 11/28/2018 4:45:39 PM   Stefan Löffler
    Caruana bot gerade mit 21. c5 ein Bauernopfer an.
     
     
    21. ... dxc5 22. d6 Lxd6 23. Sb5 wäre brandgefährlich für Schwarz. Carlsen spielte lieber das solide 21. ...0-0, denn 22. c6 ist nicht zu befürchten wegen 22. ...bxc6 23. dxc6 Tfc8 und 24. Sd5 scheitert an 24. ... De4. Der weiße Vorteil ist nun weg. Es sieht ganz so aus, als hätte er vorhin besser selbst mit dem Läufer auf g4 getauscht.
  • 11/28/2018 4:48:35 PM   Stefan Löffler
    Oh. Caruana hat trotzdem 23. c6 gespielt und nach 23. ... bxc6 24. dxc6 Tfc8 mit 25. Dc4 gedeckt, denn 25. ... Df3 26. Sd5 ginge für ihn. Aber dem Computer gefällt das weiße Spiel nicht. Sesse zeigt jetzt Schwarz im Vorteil.
  • 11/28/2018 4:55:01 PM   Stefan Löffler
    Kurzer Rückblick auf die ersten Partie: Das Turmendspiel muss zwischendurch remis gewesen sein, sagen die Großmeister Jonathan Speelman und Jonathan Rowson. Bis hier hatte sich Caruana wohl richtig verteidigt, aber sein nächster Zug 34....Tc3 war falsch, da danach der weiße König mitspielt.
     
     
     
    Dass Schwarz sich erlauben konnte, mit 34. ... c3 35. Ke1 a5 36. Kd1 Tg2 37. Txc3 Ke5 einen zweiten Bauern aufzugeben, war allerdings sehr schwer zu sehen. Fehlte Caruana die Intuition, so eine Möglichkeit in Betracht zu ziehen?
  • 11/28/2018 5:00:44 PM   Stefan Löffler
    Figurenopfer! Caruanas vorgepreschter c-Bauer hat Carlsen seinen Läufer gekostet. Doch die Computer zeigen Vorteil für Schwarz an. Sesse zeigt über vier Bauerneinheiten plus für Carlsen! Findet der Titelverteidiger den Weg zum 2:0?
     
     
     
     
  • 11/28/2018 5:04:02 PM   Stefan Löffler
    Nach 28. ... Kh7 springt die Computerbewertung auf plus acht aus schwarzer Sicht. Und Caruana hat nur noch drei Minuten gegen Carlsens fast dreizehn. Feiern die Norweger im Vip-Raum bereits?
  • 11/28/2018 5:05:56 PM   Stefan Löffler
    Caruana hat aufgegeben. 2:0 für Carlsen.
  • 11/28/2018 5:19:51 PM   Stefan Löffler
    Die Spieler sind gerade zurück ans Brett. Gleich beginnt die dritte Partie. Caruana hat Schwarz und muss gewinnen. Sonst ist das Match gleich vorbei.
  • 11/28/2018 5:20:30 PM   Stefan Löffler
    Nun spielt Caruana kein Russisch mehr, sondern selbst Sizilianisch.
  • 11/28/2018 5:27:38 PM   Stefan Löffler
    Den entscheidenden Fehler in der wichtigen ersten Schnellpartie beging Caruana noch nicht mit 34. ... c3 sondern drei Züge später:
     
     
    Hier schlug Caruana mit 37. ... Kxe4, denn nach 38. Txg7 hat er 38. .. Ta2+ 39. Kh3 Ta1 mit der Drohung 40. ... Kf3, so dass Weiß den f-Bauern nicht halten kann. Doch Carlsen erwiderte nicht 38. Txg7 sondern erst das genaue 38. Te7+!, das Caruana wohl entgangen ist.
     
  • 11/28/2018 5:34:54 PM   Stefan Löffler
    Der englische Großmeister Jonathan Speelman analysiert die Partien im Presseraum. Vor dreißig Jahren war er Top-Ten-Spieler und selbst WM-Kandidat, heute schreibt er über Schach für die Sonntagszeitung "Observer". Journalisten gibt Speelman immer gerne seine Analysen und Einschätzungen weiter.
     
     
    Heute hat Jonathan Speelman im überfüllten Presseraum nur noch einen Platz am Kaffeebehälter ergattert. Dort gab er gerade einem norwegischen Reporter ein Kurzinterview. (Foto: Stefan Löffler)
     
  • 11/28/2018 5:40:33 PM   Stefan Löffler
    Carlsen hat die Eröffnung mit Weiß sehr sicher angelegt und sich Raumvorteil gesichert. Die Frage ist, wie Schwarz sich Gewinnchancen erspielen will, wenn Weiß nichts riskiert. Und warum sollte Carlsen? Ihm reicht ein Remis, um das Stechen vorzeitig für sich zu entscheiden. 
     
     
    Hier zog Carlsen energisch 14. f4 Sg6 15. De3.
     
  • 11/28/2018 5:51:09 PM   Stefan Löffler
    Beim Schnellschach ist Carlsen ganz in seinem Element. Gerade hat er sogar g3-g4 gezogen! Heute hat man das Gefühl, dass ihm das Spielen Spaß macht. Und nicht nur, weil es für ihn läuft. Sieht er die langen Partien nur noch als Quälerei? Die letzten beiden regulären Partien hat er sich bemüht, das Risiko möglichst gering zu halten. Ulrich Stock, der Reporter der "Zeit", scherzte gerade, "bei der nächsten WM komme ich nur noch zum Tiebreak".
     
    Mit einem allzu bekannten Foto und neuem Text wird Carlsens Einstellung in einem Tweet einer russischen Schach-Website aufgespießt:
     
  • 11/28/2018 6:00:48 PM   Stefan Löffler
    Kleine Überraschung von Carlsen. Für Schwarz war eigentlich kein aktiver Plan in Sicht.
     
    Hier brach Carlsen mit 26. e5!? dxe5 27. Sxc5 durch. Nun haben sich die Türme auf der d-Linie abgetauscht, und unterschiedliche Bauernmehrheiten sind entstanden. Doch Weiß scheint noch alles unter Kontrolle zu haben. Das Beste, was der Computer für Schwarz anzeigt, ist eine Stellung mit Minusbauer, in der er Dauerschach gibt.
     
  • 11/28/2018 6:09:50 PM   Stefan Löffler
    Nach Carlsens 32. Dd6 sieht der Computer die verschiedensten Wege zu einem Remis durch Dauerschach.
     
    Dauerschach in Sicht, z.B. 32. ... Dxc2 33. Df8+ Kh7 34. Sxf6+ gxf6 35. Dxf7+.
     
     
  • 11/28/2018 6:14:17 PM   Stefan Löffler
    Computer halten die Stellung für völlig ausgeglichen. Ein Remis durch Dauerschach ist ein sehr wahrscheinliches Resultat. Doch die Kombination Dame und Springer ist im Angriff sehr gefährlich. Wenn es Caruana gelänge, Angriff zu kriegen. Oder kommt Carlsens Bauernsturm am Damenflügel schneller?
  • 11/28/2018 6:16:53 PM   Stefan Löffler
    Autsch. Caruanas Spiel ist zu langsam. Der Computer zeigt schon über zehn Bauerneinheiten Vorteil für Weiß. Das Beste, auf das Caruana noch hoffen kann, wäre ein Dauerschach, aber das nützt ihm ja nicht. Carlsen nur noch wenige Momente vom Titel entfernt.
  • 11/28/2018 6:21:04 PM   Stefan Löffler
    Caruana hat aufgegeben. Das war´s 3:0 für Carlsen. Welch ein Vortrag. Noch souveräner als gegen Karjakin vor zwei Jahren. Der Norweger bleibt Weltmeister. 
     
     
  • 11/28/2018 6:49:45 PM   Tobias Rabe
    "Ich hatte einen großartigen Arbeitstag", sagt Weltmeister Magnus Carlsen bei der Pressekonferenz (Bild Stefan Löffler).
     
  • 11/28/2018 6:49:47 PM   Tobias Rabe
    Das war’s aus London! Der Norweger Magnus Carlsen hat durch einen Sieg im Tie-Break seinen Titel bei der Schach-WM erfolgreich verteidigt. Der 27-Jährige gewann alle drei Schnellschach-Partien gegen seinen Herausforderer Fabiano Caruana (Vereinigte Staaten) und entschied das Stechen damit vorzeitig für sich. Die zwölf Partien mit regulärer Bedenkzeit hatten in den vergangenen Wochen allesamt mit Remis geendet.
     
    Bereits vor zwei Jahren hatte Carlsen in New York gegen den Russen Sergej Karjakin im WM-Tiebreak mit 3:1 gesiegt. Das Duell gegen seinen 26 Jahre alten Kontrahenten Caruana war sein insgesamt viertes Match um die Weltmeisterschaft, alle hat er gewonnen. Carlsen hatte sich 2013 mit 22 Jahren zum zweitjüngsten Weltmeister der Geschichte gekrönt, seit Juli 2011 führt er die Weltrangliste ohne Unterbrechung an. Caruana hatte sich durch seinen Sieg beim Kandidatenturnier in Berlin im März für das WM-Duell qualifiziert. Er verpasste durch die Niederlage die Chance, erster Schach-Weltmeister aus den Vereinigten Staaten seit dem legendären Bobby Fischer zu werden. (sid)
     
    Die Entscheidung können Sie unten noch einmal nachlesen mit den Kommentaren von Stefan Löffler.
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